(Kiel) In Deutsch­land ansäs­si­ge Anle­ger, die in Invest­ment­fonds mit Sitz in den USA inves­tiert haben, kön­nen eine pau­scha­le Ermitt­lung der steu­er­pflich­ti­gen Kapi­tal­er­trä­ge aus die­sen Fonds nach § 6 des Invest­ment­steu­er­ge­set­zes (InvStG) ver­mei­den, wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) ent­schie­den hat.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 10.02.2016 zu sei­nem Urteil vom 17. Novem­ber 2015 — VIII R 2712.

In- und aus­län­di­sche Invest­ment­fonds haben gemäß § 5 Abs. 1 InvStG gesetz­lich vor­ge­ge­be­ne Pflicht­an­ga­ben zu ver­öf­fent­li­chen. Kommt der Fonds dem nicht nach, muss der inlän­di­sche Anle­ger sei­ne steu­er­pflich­ti­gen Ein­künf­te aus dem Fonds nach § 6 InvStG pau­schal ermit­teln. Er hat dann grund­sätz­lich die Aus­schüt­tun­gen auf die Invest­ment­an­tei­le und einen Zwi­schen­ge­winn sowie 70 % des Mehr­be­trags anzu­set­zen, der sich zwi­schen dem ers­ten im Kalen­der­jahr fest­ge­setz­ten Rück­nah­me­preis und dem letz­ten im Kalen­der­jahr fest­ge­setz­ten Rück­nah­me­preis eines Invest­ment­an­teils ergibt. Min­des­tens muss der Anle­ger Erträ­ge in Höhe von 6 % des letz­ten im Kalen­der­jahr fest­ge­setz­ten Rück­nah­me­prei­ses für den Invest­ment­an­teil anset­zen.

Der VIII. Senat des BFH sah in sei­ner Ent­schei­dung die Vor­aus­set­zun­gen für eine pau­scha­le Ermitt­lung der Erträ­ge gemäß § 6 InvStG aus den US-Invest­ment­fonds der Revi­si­ons­klä­ge­rin nicht als erfüllt an. Grund­la­ge ist hier­für das Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on in der Rechts­sa­che van Cas­ter und van Cas­ter vom 9. Okto­ber 2014 C 32612 (EU:C:2014:2269). Danach darf ein inlän­di­scher Anle­ger mit Invest­ment­an­tei­len an einem Fonds mit Sitz im EU-/EWR-Aus­land die Pflicht­an­ga­ben gemäß § 5 Abs. 1 InvStG selbst machen, um die Pau­schal­be­steue­rung sei­ner Erträ­ge gemäß § 6 InvStG abzu­weh­ren.

Nach dem Urteil des BFH gilt dies nun auch –ent­ge­gen einem Schrei­ben des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen (BMF) vom 28. Juli 2015 (BSt­Bl I 2015, 610)– für inlän­di­sche Anle­ger, die Invest­ment­an­tei­le an einem Invest­ment­fonds mit Sitz in den USA hal­ten. Der VIII. Senat hat die Ent­schei­dung der Vor­in­stanz auf­ge­ho­ben und den Streit­fall an die­se zurück­ver­wie­sen, damit die Revi­si­ons­klä­ge­rin die Gele­gen­heit hat, die gesetz­li­chen Pflicht­an­ga­ben selbst vor­zu­le­gen. Für inlän­di­sche Anle­ger, die Invest­ment­an­tei­le an einem Fonds mit Sitz in einem Dritt­staat hal­ten, kann die Pau­schal­be­steue­rung gemäß § 6 InvStG nun­mehr durch eine indi­vi­du­el­le Nach­weis­füh­rung ver­mie­den wer­den, wenn der inlän­di­schen Finanz­ver­wal­tung auf­grund eines Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­mens Deutsch­lands mit dem Sitz­staat des Fonds oder auf­grund einer ande­ren Rechts­grund­la­ge ein Aus­kunfts­an­spruch gegen die aus­län­di­sche Finanz­ver­wal­tung zusteht, der es ermög­licht, die Anga­ben des Steu­er­pflich­ti­gen zu den Besteue­rungs­grund­la­gen des aus­län­di­schen Fonds zu veri­fi­zie­ren.

Der VIII. Senat hat schließ­lich bestä­tigt, dass der Nach­weis zu den Pflicht­an­ga­ben gemäß § 5 Abs. 1 InvStG durch den inlän­di­schen Anle­ger so zu füh­ren ist, wie die Finanz­ver­wal­tung es im BMF-Schrei­ben 28. Juli 2015 (BSt­Bl I 2015, 610) vor­ge­ge­ben hat. Erleich­te­run­gen zu Guns­ten der Steu­er­pflich­ti­gen in Form einer Schät­zung der Besteue­rungs­grund­la­gen des Fonds sind nur in einem engen Rah­men zuläs­sig.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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