(Kiel) Der XI. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat mit Urteil vom 26. August 2014 (XI R 1912) ent­schie­den, dass die Durch­füh­rung von Rau­cher­ent­wöh­nungs­se­mi­na­ren als vor­beu­gen­de Maß­nah­me des Gesund­heits­schut­zes eine steu­er­freie Heil­be­hand­lung sein kann. Vor­aus­set­zung ist aller­dings, dass eine ent­spre­chen­de medi­zi­ni­sche Indi­ka­ti­on vor­liegt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 3.12.2014 zu dem Urteil.

Die Klä­ge­rin ist ein in der Rechts­form einer GbR betrie­be­nes Unter­neh­men, das über­wie­gend Semi­na­re zur Rau­cher­ent­wöh­nung durch­führt. Nach einer Umsatz­steu­er-Son­der­prü­fung ver­sag­te das Finanz­amt die begehr­te Steu­er­be­frei­ung nach § 4 Nr. 14 Satz 1 des Umsatz­steu­er­ge­set­zes (UStG) und setz­te die Umsatz­steu­er ent­spre­chend fest. Ein­spruch und Kla­ge blie­ben ohne Erfolg.

Nach § 4 Nr. 14 Satz 1 UStG gehö­ren zu den steu­er­frei­en Heil­be­hand­lun­gen auch Leis­tun­gen, die zum Zweck der Vor­beu­gung erbracht wer­den. Dar­un­ter fal­len ins­be­son­de­re Maß­nah­men, die dem Schutz ein­schließ­lich der Auf­recht­erhal­tung oder Wie­der­her­stel­lung der mensch­li­chen Gesund­heit die­nen.

Auf die Revi­si­on der Klä­ge­rin hob der BFH die Vor­ent­schei­dung auf und ver­wies die Sache zur ander­wei­ti­gen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Finanz­ge­richt (FG) zurück. Der BFH stell­te fest, dass das Rau­chen nach inzwi­schen ein­hel­li­ger Auf­fas­sung als gesund­heits­schäd­lich gilt. Bei den streit­be­fan­ge­nen Rau­cher­ent­wöh­nungs­se­mi­na­ren kann es sich daher um dem Schutz der Gesund­heit die­nen­de Dienst­leis­tun­gen han­deln — sei es nur vor­beu­gend oder sei es zur Wie­der­her­stel­lung der bereits geschä­dig­ten Gesund­heit. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die genann­ten Leis­tun­gen Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men i. S. des § 20 des Sozi­al­ge­setz­bu­ches Fünf­tes Buch sind, die wegen des feh­len­den unmit­tel­ba­ren Krank­heits­be­zugs grund­sätz­lich nicht zu den von der Steu­er befrei­ten Heil­be­hand­lun­gen gehö­ren. Denn auch der­ar­ti­ge Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men fal­len unter die Steu­er­be­frei­ung, wenn sie im Rah­men einer medi­zi­ni­schen Behand­lung – auf­grund ärzt­li­cher Anord­nung oder mit­hil­fe einer Vor­sor­ge- oder Reha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­me – durch­ge­führt wer­den. Dabei kön­nen auch die im Streit­fall von Betriebs­ärz­ten vor­ge­nom­me­nen Sam­mel­über­wei­sun­gen von Arbeit­neh­mern zur Teil­nah­me an Rau­cher­ent­wöh­nungs­se­mi­na­ren den Anfor­de­run­gen an die gebo­te­ne medi­zi­ni­sche Indi­ka­ti­on genü­gen, wenn sie auf medi­zi­ni­schen Fest­stel­lun­gen der Betriebs­ärz­te beru­hen.

Die Sache war nicht spruch­reif, weil das FG bis­lang u.a. noch nicht fest­ge­stellt hat, in wel­chem Umfang die Klä­ge­rin neben den nicht begüns­tig­ten Semi­na­ren zur Gewichts­re­duk­ti­on und zum Stress-Manage­ment tat­säch­lich Rau­cher­ent­wöh­nungs­se­mi­na­re durch­ge­führt hat und ob die Sam­mel­über­wei­sun­gen der Betriebs­ärz­te auf ent­spre­chen­den medi­zi­ni­schen Fest­stel­lun­gen beruh­ten. Die noch feh­len­de Auf­klä­rung des Sach­ver­halts wird das FG im zwei­ten Rechts­gang nach­zu­ho­len haben.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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