(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat ent­schie­den, dass Steu­er­pflich­ti­ge sog. außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen (z.B. Krank­heits­kos­ten) wei­ter­ge­hend als bis­her steu­er­lich gel­tend machen kön­nen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 29.03.2017 zu sei­nem Urteil vom 19. Janu­ar 2017 (VI R 7514).

Der Abzug außer­ge­wöhn­li­cher Belas­tun­gen ist nach § 33 Abs. 1 und 3 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) nur mög­lich, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge mit über­durch­schnitt­lich hohen Auf­wen­dun­gen belas­tet ist. Eine Zumut­bar­keits­gren­ze („zumut­ba­re Belas­tung“) wird in drei Stu­fen (Stu­fe 1 bis 15.340 €, Stu­fe 2 bis 51.130 €, Stu­fe 3 über 51.130 €) nach einem bestimm­ten Pro­zent­satz des Gesamt­be­trags der Ein­künf­te (abhän­gig von Fami­li­en­stand und Kin­der­zahl) bemes­sen (1 bis 7 %). Der Pro­zent­satz beträgt z.B. bei zusam­men­ver­an­lag­ten Ehe­gat­ten mit einem oder zwei Kin­dern 2 % (Stu­fe 1), 3 % (Stu­fe 2) und 4 % (Stu­fe 3).

Nach dem Urteil des BFH wird jetzt nur noch der Teil des Gesamt­be­trags der Ein­künf­te, der den im Gesetz genann­ten Stu­fen­grenz­be­trag über­steigt, mit dem jeweils höhe­ren Pro­zent­satz belas­tet. Danach erfasst z.B. der Pro­zent­satz für Stu­fe 3 nur den 51.130 € über­stei­gen­den Teil­be­trag der Ein­künf­te. Bis­lang gin­gen dem­ge­gen­über Finanz­ver­wal­tung und Recht­spre­chung davon aus, dass sich die Höhe der zumut­ba­ren Belas­tung ein­heit­lich nach dem höhe­ren Pro­zent­satz rich­tet, sobald der Gesamt­be­trag der Ein­künf­te eine der in § 33 Abs. 3 Satz 1 EStG genann­ten Gren­zen über­schrei­tet. Danach war der höhe­re Pro­zent­satz auf den Gesamt­be­trag aller Ein­künf­te anzu­wen­den.

Im Streit­fall hat­te der Klä­ger zusam­men mit sei­ner Ehe­frau in der gemein­sa­men Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung Krank­heits­kos­ten in Höhe von 4.148 € als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen erklärt. Da der Gesamt­be­trag der Ein­künf­te der Ehe­leu­te über 51.130 € lag, berech­ne­te das Finanz­amt (FA) die zumut­ba­re Belas­tung unter Anwen­dung des in der Situa­ti­on des Klä­gers höchst­mög­li­chen Pro­zent­sat­zes von 4 %. Die Krank­heits­kos­ten der Ehe­leu­te wirk­ten sich nach dem Abzug der zumut­ba­ren Belas­tung nur noch mit 2.069 € steu­er­min­dernd aus.

Der BFH gab dem Klä­ger inso­weit Recht, als er die vom FA berück­sich­tig­te zumut­ba­re Belas­tung neu ermit­tel­te. Bei der nun gestuf­ten Ermitt­lung (im Streit­fall 2 % bis 15.340 €, 3 % bis 51.130 € und 4 % erst in Bezug auf den die Gren­ze von 51.130 € über­stei­gen­den Teil der Ein­künf­te) erhöh­ten sich die zu berück­sich­ti­gen­den Krank­heits­kos­ten um 664 €. Maß­ge­bend für die Ent­schei­dung des BFH waren ins­be­son­de­re der Wort­laut der Vor­schrift, der für die Fra­ge der Anwen­dung eines bestimm­ten Pro­zent­sat­zes gera­de nicht auf den „gesam­ten Gesamt­be­trag der Ein­künf­te“ abstellt, sowie die Ver­mei­dung von Här­ten, die bei der Berech­nung durch die Finanz­ver­wal­tung ent­ste­hen konn­ten, wenn eine vor­ge­se­he­ne Stu­fe nur gering­fü­gig über­schrit­ten wur­de.

Das Urteil des BFH betrifft zwar nur den Abzug außer­ge­wöhn­li­cher Belas­tun­gen nach § 33 EStG, ist aber im Anwen­dungs­be­reich die­ser Vor­schrift nicht auf die Gel­tend­ma­chung von Krank­heits­kos­ten beschränkt. Die Ent­schei­dung hat weit­rei­chen­de Bedeu­tung, da Steu­er­pflich­ti­ge nun in der Regel frü­her und in grö­ße­rem Umfang durch ihnen ent­stan­de­ne außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen steu­er­lich ent­las­tet wer­den.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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