(Kiel) Der V. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat ent­schie­den, dass Behand­lungs­leis­tun­gen von Pri­vat­kran­ken­häu­sern unab­hän­gig von sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Zulas­sun­gen umsatz­steu­er­frei sein kön­nen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 25.02.2015 zu sei­nem Urteil vom 23. Okto­ber 2014 — V R 2014.

Die Ent­schei­dung hat gro­ße Bedeu­tung für die Betrei­ber pri­va­ter Kran­ken­häu­ser. Deren Leis­tun­gen sind nach den Rege­lun­gen des natio­na­len Rechts (§ 4 Nr. 14 Buchst. b Satz 2 Dop­pel­buchst. aa des Umsatz­steu­er­ge­set­zes) nur steu­er­frei, wenn es sich um eine Hoch­schul­kli­nik, ein in den Kran­ken­haus­plan eines Lan­des auf­ge­nom­me­nes Kran­ken­haus oder um ein Kran­ken­haus han­delt, das über einen Ver­sor­gungs­ver­trag mit den Ver­bän­den der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen ver­fügt.

Damit steht die Steu­er­frei­heit für Heil­be­hand­lungs­leis­tun­gen durch Pri­vat­kran­ken­häu­ser unter einem fak­ti­schen Bedarfs­vor­be­halt, da die Kas­sen­ver­bän­de Ver­sor­gungs­ver­trä­ge nur abschlie­ßen dür­fen, wenn dies für die bedarfs­ge­rech­te Kran­ken­haus­be­hand­lung der gesetz­lich Ver­si­cher­ten erfor­der­lich ist.

Die­ser Bedarfs­vor­be­halt ist nach dem Urteil des BFH mit den für den natio­na­len Gesetz­ge­ber ver­bind­li­chen Vor­ga­ben des Uni­ons­rechts im Bereich der Mehr­wert­steu­er, der Mehr­wert­steu­er­sys­tem­richt­li­nie, nicht ver­ein­bar. Das Uni­ons­recht ent­hält für den natio­na­len Gesetz­ge­ber kei­ne Befug­nis zur Kon­tin­gen­tie­rung von Steu­er­be­frei­un­gen.

Damit sich der Betrei­ber eines Pri­vat­kran­ken­hau­ses auf die Steu­er­frei­heit nach dem Uni­ons­recht beru­fen kann, obwohl er kei­nen Ver­sor­gungs­ver­trag abge­schlos­sen hat, muss er aber über eine sog. Aner­ken­nung ver­fü­gen. Die­se kann sich dar­aus erge­ben, dass er in nicht uner­heb­li­chem Umfang Pati­en­ten behan­delt, die als gesetz­lich Ver­si­cher­te Anspruch auf Kos­ten­er­stat­tung nach § 13 des Fünf­ten Buches Sozi­al­ge­setz­buch haben oder bei­hil­fe­be­rech­tigt sind. Da dies auf den Streit­fall (Quo­te über 35 %) zutraf, bestä­tig­te der BFH das Urteil der Vor­in­stanz, die eben­falls eine aus dem Uni­ons­recht abge­lei­te­te Steu­er­frei­heit bejaht hat­te.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.
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Jörg Pas­sau
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