(Kiel) Der VIII. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat ent­schie­den, dass Leis­tun­gen, die von einer pri­vat­recht­li­chen Insti­tu­ti­on für die Auf­nah­me von Pfle­ge­per­so­nen in einen Haus­halt über Tag und Nacht gewährt wer­den, als Bei­hil­fe zur Erzie­hung nach § 3 Nr. 11 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) steu­er­frei sind.

Vor­aus­set­zung ist, dass die Zah­lun­gen zumin­dest mit­tel­bar aus öffent­li­chen Mit­teln der Jugend­hil­fe für die unmit­tel­ba­re För­de­rung der Erzie­hung der Pfle­ge­per­so­nen geleis­tet wer­den.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 27.05.2015 zu sei­nem Urteil vom 5. Novem­ber 2014 — VIII R 2911.

Im Streit­fall hat­te die als Erzie­he­rin täti­ge Klä­ge­rin in ihren Haus­halt bis zu zwei frem­de Pfle­ge­kin­der auf­ge­nom­men und dafür ein Tagesho­no­rar zuzüg­lich einer Sach­kos­ten­pau­scha­le auf­grund einer Hono­rar­ver­ein­ba­rung mit einer Fir­ma erhal­ten, die im Bereich der öffent­li­chen Kin­der- und Jugend­hil­fe für die zustän­di­ge Stadt­ver­wal­tung die Unter­brin­gung von Jugend­li­chen in Hei­men, Ein­rich­tun­gen sowie in Fami­li­en­haus­hal­ten orga­ni­siert und für jeden zu betreu­en­den Jugend­li­chen bestimm­te Beträ­ge aus öffent­li­chen Haus­halts­mit­teln erhält.

Das Finanz­amt berück­sich­tig­te die Hono­rar­zah­lun­gen als steu­er­ba­re Ein­nah­men und rech­ne­te sie der frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit der Klä­ge­rin als Erzie­he­rin zu. Die Klä­ge­rin war dage­gen der Auf­fas­sung, die Ein­nah­men sei­en als Bei­hil­fe zur Erzie­hung nach § 3 Nr. 11 EStG steu­er­frei. Die Kla­ge vor dem Finanz­ge­richt blieb erfolg­los.

Der BFH ist der Auf­fas­sung der Klä­ge­rin gefolgt und hat die Steu­er­frei­heit der bezo­ge­nen Leis­tun­gen für die Auf­nah­me der Pfle­ge­kin­der bejaht. Die Zah­lun­gen sind als Bei­hil­fen i.S. des § 3 Nr. 11 Satz 1 EStG, die zur unmit­tel­ba­ren För­de­rung der Erzie­hung (von Jugend­li­chen) bewil­ligt wur­den, anzu­se­hen.
Nach der Recht­spre­chung des BFH sind an Pfle­ge­el­tern geleis­te­te Erzie­hungs­gel­der –in Abgren­zung zur (erwerbs­mä­ßi­gen) Betreu­ung sog. Kost­kin­der– regel­mä­ßig dazu bestimmt, zu Guns­ten der in den Haus­halt der Pfle­ge­el­tern dau­er­haft auf­ge­nom­me­nen und wie leib­li­che Kin­der betreu­ten Kin­der und Jugend­li­chen “die Erzie­hung unmit­tel­bar zu för­dern”. Die im Streit­fall gewähr­ten Leis­tun­gen waren auch i.S. des § 3 Nr. 11 EStG unei­gen­nüt­zig. Denn mit der Zah­lung der Pfle­ge­gel­der war kei­ne voll­stän­di­ge Erset­zung des sach­li­chen und zeit­li­chen Auf­wands der Pfle­ge­el­tern beab­sich­tigt. Die Zah­lun­gen ähneln damit Zah­lun­gen, die leib­li­chen Eltern für die Erzie­hung ihrer Kin­der eben­falls steu­er­frei erhal­ten.

Auch wenn die Leis­tun­gen im Streit­fall über Drit­te gezahlt wer­den, han­delt es sich um öffent­li­che Mit­tel, d.h. aus einem öffent­li­chen Haus­halt stam­men­de und danach ver­aus­gab­te Mit­tel, da über die Mit­tel nur nach Maß­ga­be haus­halts­recht­li­cher Vor­schrif­ten ver­fügt wer­den kann und ihre Ver­wen­dung im Ein­zel­nen einer gesetz­lich gere­gel­ten Kon­trol­le unter­liegt.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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