(Kiel) In einem Eil­ver­fah­ren hat das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz ent­schie­den, dass der Geschäfts­füh­rer einer Fir­ma, die Kas­sen­sys­te­me nebst Mani­pu­la­ti­ons­soft­ware her­stellt und ver­treibt, für die Steu­ern haf­tet, die ein Kun­de (im kon­kre­ten Fall der Inha­ber eines Eis­ca­fés) hin­ter­zo­gen hat (rund 1,6 Mio Euro).

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Erb-, Steu­er- sowie Han­dels- und Gesell­schafts­recht Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz (FG) vom 10.02.2015 zu sei­nem Beschluss vom 7. Janu­ar 2015 (5 V 206814).

Der Antrag­stel­ler ist Geschäfts­füh­rer einer GmbH, die Kas­sen­sys­te­me her­stellt und ver­treibt. Im Novem­ber 2002 erwarb der Inha­ber eines Eis­ca­fés (= A) ein Kas­sen­sys­tem, das neben diver­ser Hard­ware auch eine Soft­ware zur Mani­pu­la­ti­on der im Kas­sen­sys­tem erfass­ten Daten umfass­te.

Bei einer Außen- und Steu­er­fahn­dungs­prü­fung bei A wur­den Mani­pu­la­tio­nen an den im Kas­sen­sys­tem erfass­ten Daten seit min­des­tens Dezem­ber 2003 fest­ge­stellt, die zu einer erheb­li­chen Min­de­rung der tat­säch­lich erziel­ten Umsät­ze führ­ten. In dem Steu­er­straf­ver­fah­ren vor dem Land­ge­richt Koblenz (LG) räum­te A die Mani­pu­la­tio­nen in vol­lem Umfang ein. Er gab an, der Antrag­stel­ler habe ihm das Kas­sen­sys­tem ver­kauft und ihn auch in die Benut­zung der Mani­pu­la­ti­ons­soft­ware ein­ge­wie­sen. Dabei sei ihm ver­si­chert wor­den, die Soft­ware kön­ne völ­lig risi­ko­los ein­ge­setzt wer­den. Das  LG Koblenz ver­ur­teil­te A wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung zu einer Frei­heits­stra­fe von drei Jah­ren. Das Urteil und die ent­spre­chend geän­der­ten Steu­er­fest­set­zun­gen gegen A wur­den bestands- bzw. rechts­kräf­tig.

Anschlie­ßend wur­de gegen den Antrag­stel­ler ein Ver­fah­ren wegen Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung ein­ge­lei­tet. Dar­über hin­aus erließ der Antrags­geg­ner (= Finanz­amt) einen Haf­tungs­be­scheid, mit dem der Antrag­stel­ler für die Steu­er­rück­stän­de des A (sei­ner­zeit rund 2,8 Mio. €) in Haf­tung genom­men wur­de, weil A die hin­ter­zo­ge­nen Beträ­ge nicht ent­rich­tet und kei­ne Voll­stre­ckungs­maß­nah­me gegen A bis­lang nen­nens­wer­ten Erfolg gehabt hat­te.

Gegen die­sen Bescheid leg­te der Antrag­stel­ler beim Finanz­amt Ein­spruch ein. Er behaup­te­te, das Mani­pu­la­ti­ons­pro­gramm habe ein Mit­ar­bei­ter (M) ent­wi­ckelt, er selbst habe kei­ne Kennt­nis von der Mani­pu­la­ti­ons­soft­ware gehabt. Sie sei so ver­steckt gewe­sen, dass selbst die Steu­er­fahn­der sie bei der ers­ten Durch­su­chung nicht ent­deckt hät­ten. Er — der Antrag­stel­ler — habe nur im Ver­trieb aus­ge­hol­fen und habe A auch nicht in die Benut­zung der Mani­pu­la­ti­ons­soft­ware ein­ge­wie­sen. Bei den Aus­sa­gen des A han­de­le es sich um Schutz­be­haup­tun­gen, um eine Straf­mil­de­rung zu errei­chen. Es sei auch nicht zutref­fend, dass die Rück­stän­de vom Voll­stre­ckungs­schuld­ner A nicht hät­ten bei­ge­trie­ben wer­den kön­nen. A ver­fü­ge über Grund­ver­mö­gen und Bank­gut­ha­ben im Aus­land.

Mit Ein­spruchs­ent­schei­dung vom 26. Juni 2014 änder­te das Finanz­amt den ange­foch­te­nen Haf­tungs­be­scheid und min­der­te die Haf­tungs­sum­me auf rund 1,6 Mio. €, da in der Zwi­schen-zeit bei A Gel­der ein­ge­trie­ben wer­den konn­ten.

Im Juli 2014 hat der Antrag­stel­ler Kla­ge erho­ben und anschlie­ßend einen Antrag auf Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes gestellt. Zur Begrün­dung mach­te er gel­tend, der Haf­tungs­be­scheid sei rechts­wid­rig, außer­dem wür­de die sofor­ti­ge Voll­zie­hung des ange­foch­te­nen Haf­tungs­be­scheids eine unbil­li­ge Här­te für ihn bedeu­ten. Weder er selbst noch die GmbH wür­den über aus­rei­chend Liqui­di­tät ver­fü­gen, um in Vor­leis­tung tre­ten und den gefor­der­ten Betrag (rd. 1,6 Mio. €) zah­len zu kön­nen.

Das FG lehn­te den Eil­an­trag mit unan­fecht­ba­rem Beschluss vom 7. Janu­ar 2015 (5 V 206814) ab und führ­te zur Begrün­dung im Wesent­li­chen Fol­gen­des aus:

Nach den dem Gericht vor­lie­gen­den Unter­la­gen sowie prä­sen­ten Beweis­mit­teln bestün­den an der Recht­mä­ßig­keit des ange­foch­te­nen Haf­tungs­be­scheids kei­ne ernst­li­chen Zwei­fel. Wer eine Steu­er­hin­ter­zie­hung bege­he oder an einer sol­chen Tat teil­neh­me, haf­te nach § 71 Abga­ben­ord­nung (AO) für die ver­kürz­ten Steu­ern und kön­ne gemäß § 191 AO durch Haf­tungs­be­scheid in Anspruch genom­men wer­den. Auf­grund des Geständ­nis­ses und der rechts­kräf­ti­gen Ver­ur­tei­lung des A durch das LG Koblenz sei das Finanz­amt zutref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass A die streit­be­fan­ge­nen Steu­ern hin­ter­zo­gen habe. Zu die­ser Steu­er­hin­ter­zie­hung des A habe der Antrag­stel­ler objek­tiv und sub­jek­tiv Bei­hil­fe geleis­tet und damit i.S. von § 71 AO an des­sen Tat teil­ge­nom­men. Er habe das mit der Mani­pu­la­ti­ons­soft­ware ver­bun­de­ne Kas­sen­sys­tem als Geschäfts­füh­rer der GmbH an A ver­kauft. Dies bele­ge die Rech­nung der GmbH, die den Antrag­stel­ler als Bear­bei­ter aus­wei­se. Es sei nicht ent­schei­dend, wann genau und durch wen die Instal­la­ti­on und Ein­wei­sung in das Pro­gramm erfolgt sei­en und ob der Antrag­stel­ler selbst oder ein Drit­ter die Mani­pu­la­ti­ons­soft­ware ent­wi­ckelt habe. Die Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung bestehe im Streit­fall viel­mehr dar­in, dass der Antrag­stel­ler ein kom­plet­tes Sys­tem an A ver­kauft habe, und zwar mit dem Wis­sen, wel­che Mög­lich­kei­ten die­ses Sys­tem bie­te, und mit dem Ziel, A eine Steu­er­ver­kür­zung zu ermög­li­chen. Der Antrag­stel­ler habe A das Kas­sen­sys­tem aus­drück­lich als völ­lig risi­ko­lo­ses Instru­ment zur Ver­kür­zung von Steu­ern ange­bo­ten und ver­kauft.

Wenn das Finanz­amt einen vor­sätz­lich Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung leis­ten­den Gehil­fen als Haf­ten­den in Anspruch neh­me, sei dies regel­mä­ßig eine ermes­sens­ge­rech­te Ent­schei­dung, und zwar unab­hän­gig von der Höhe der Haf­tungs­schuld und/oder den finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten des Gehil­fen. Die Haf­tungs­norm (§ 71 AO) habe näm­lich Scha­den­er­satz­cha­rak­ter und sol­le eine Scha­dens­er­satz­pflicht in Höhe der ver­kürz­ten Beträ­ge begrün­den. Der Antrag­stel­ler wer­de hier nicht für sein Fehl­ver­hal­ten als Geschäfts­füh­rer der GmbH in Anspruch genom­men, son­dern für die vor­sätz­li­che Betei­li­gung an einer frem­den Steu­er­hin­ter­zie­hung.

Auch eine Aus­set­zung der Voll­zie­hung des Haf­tungs­be­schei­des wegen unbil­li­ger Här­te kom­me nicht in Betracht, denn auch bei Vor­lie­gen einer unbil­li­gen Här­te sei eine Aus­set­zung der Voll­zie­hung nur mög­lich, wenn Zwei­fel an der Recht­mä­ßig­keit des ange­foch­te­nen Steu­er­be­schei­des nicht aus­ge­schlos­sen wer­den könn­ten. Dies sei hier – wie dar­ge­legt – nicht der Fall.

Dr. Gie­se­ler emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wozu er u. a. auch auf den DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. –  www.duv-verband.de – ver­wies.

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