(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hofs hat ent­schie­den, dass selb­stän­di­ge Ärz­te ihren Beruf grund­sätz­lich auch dann lei­tend und eigen­ver­ant­wort­lich aus­üben und damit frei­be­ruf­lich und nicht gewerb­lich tätig wer­den, wenn sie ärzt­li­che Leis­tun­gen von ange­stell­ten Ärz­ten erbrin­gen las­sen.

Vor­aus­set­zung ist aller­dings, dass sie die jeweils anste­hen­den Vor­un­ter­su­chun­gen bei den Pati­en­ten durch­füh­ren, für den Ein­zel­fall die Behand­lungs­me­tho­de fest­le­gen und sich die Behand­lung “pro­ble­ma­ti­scher Fäl­le” vor­be­hal­ten.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 7.01.2015 zu sei­nem Urteil vom 16. Juli 2014 (VIII R 4112).

Im Streit­fall betrei­ben die Gesell­schaf­ter eine Gemein­schafts­pra­xis für Anäs­the­sie in der Rechts­form einer GbR. Ihre Berufs­tä­tig­keit üben sie als mobi­ler Anäs­the­sie­be­trieb in der Pra­xis von Ärz­ten aus, die Ope­ra­tio­nen unter Nar­ko­se durch­füh­ren wol­len. Jeweils einer der Gesell­schaf­ter führt eine Vor­un­ter­su­chung durch und schlägt eine Behand­lungs­me­tho­de vor. Die eigent­li­che Anäs­the­sie führt sodann ein ande­rer Arzt aus. In den Streit­jah­ren beschäf­tig­te die GbR eine ange­stell­te Ärz­tin, die sol­che Anäs­the­si­en nach den Vor­un­ter­su­chun­gen der Gesell­schaf­ter in ein­fach gela­ger­ten Fäl­len vor­nahm. Pro­ble­ma­ti­sche Fäl­le blie­ben nach den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richts (FG) den Gesell­schaf­tern der GbR vor­be­hal­ten.

Das Finanz­amt sah die Tätig­keit der GbR wegen Beschäf­ti­gung der ange­stell­ten Ärz­tin nicht als frei­be­ruf­li­che Tätig­keit der Gesell­schaf­ter an und ging des­halb von einer gewerb­li­chen Tätig­keit aus.

Wie die Vor­in­stanz ist der BFH die­ser Rechts­auf­fas­sung nicht gefolgt. Die Mit­hil­fe qua­li­fi­zier­ten Per­so­nals ist für die Frei­be­ruf­lich­keit des Berufs­trä­gers auch im Bereich der ärzt­li­chen Tätig­keit unschäd­lich, wenn die­ser bei der Erle­di­gung der ein­zel­nen Auf­trä­ge auf­grund eige­ner Fach­kennt­nis­se lei­tend und eigen­ver­ant­wort­lich tätig wird. Die­sen Anfor­de­run­gen genügt schon eine pati­en­ten­be­zo­ge­ne regel­mä­ßi­ge und ein­ge­hen­de Kon­trol­le der Tätig­keit des ange­stell­ten Fach­per­so­nals. Die Auf­fas­sung des FG, die­se not­wen­di­ge -pati­en­ten­be­zo­ge­ne- lei­ten­de Eigen­ver­ant­wort­lich­keit der Gesell­schaf­ter sei wegen der aus­schließ­lich von ihnen geführ­ten Vor­un­ter­su­chun­gen bei den Pati­en­ten, der Fest­le­gung der Behand­lungs­me­tho­de sowie des Vor­be­halts der Selbst­be­hand­lung “pro­ble­ma­ti­scher Fäl­le” gege­ben, hat der BFH bestä­tigt. Wür­de man dar­über hin­aus die unmit­tel­ba­re Aus­füh­rung der Anäs­the­sie­tä­tig­keit durch die Gesell­schaf­ter ver­lan­gen -so aber die Finanz­ver­wal­tung-, wür­de man den Ein­satz fach­lich vor­ge­bil­de­ten Per­so­nals im Bereich der Heil­be­ru­fe fak­tisch aus­schlie­ßen und damit die Anfor­de­run­gen des Geset­zes über­deh­nen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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