(Kiel) Der III. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat ent­schie­den, dass Fahrt­kos­ten eines Selb­stän­di­gen zu stän­dig wech­seln­den Betriebs­stät­ten, denen kei­ne beson­de­re zen­tra­le Bedeu­tung zukommt, mit den tat­säch­li­chen Kos­ten und nicht nur mit der Ent­fer­nungs­pau­scha­le abzugs­fä­hig sind.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 18.02.2015 zu sei­nem Urteil vom 23. Okto­ber 2014 — III R 1913.

Die Klä­ge­rin erteil­te als frei­be­ruf­lich täti­ge Musik­leh­re­rin in meh­re­ren Schu­len und Kin­der­gär­ten Musik­un­ter­richt. Sie mach­te die Fahrt­kos­ten für ihr pri­va­tes Kfz als Betriebs­aus­ga­ben gel­tend und setz­te für jeden gefah­re­nen Kilo­me­ter pau­schal 0,30 € an. Das Finanz­amt (FA) erkann­te dage­gen die Fahrt­kos­ten nur mit 0,30 € pro Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter an. Die Kla­ge vor dem Finanz­ge­richt war erfolg­reich.

Der III. Senat des BFH ist nun der Rechts­auf­fas­sung der Klä­ge­rin gefolgt. Er hat damit an der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung der für die Gewinn­ein­künf­te zustän­di­gen Sena­te zum Begriff der “Betriebs­stät­te” fest­ge­hal­ten (zuletzt BFH-Urteil vom 22. Okto­ber 2014 X R 13/13, s. Pres­se­mit­tei­lung Nr. 10/2015). Im Unter­schied zu der Ent­schei­dung des X. Senats vom 22. Okto­ber 2014 (X R 1313) lagen im Streit­fall nicht nur eine Betriebs­stät­te vor, son­dern stän­dig wech­seln­de Tätig­keits­or­te und damit meh­re­re Betriebs­stät­ten. Da kei­nem die­ser Tätig­keits­or­te eine zen­tra­le Bedeu­tung bei­ge­mes­sen wer­den konn­te, sind die­se Fäl­le unter dem Gesichts­punkt der Gleich­be­hand­lung von Wer­bungs­kos­ten- und Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug nach den von der Recht­spre­chung des VI. Senats für den Fahrt­kos­ten­ab­zug von Arbeit­neh­mern ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze zu behan­deln. Hier­nach ist der Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug nicht auf die Ent­fer­nungs­pau­scha­le von 0,30 € für jeden Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter begrenzt, wenn der Arbeit­neh­mer auf stän­dig wech­seln­den Ein­satz­stel­len, unab­hän­gig vom Ein­zugs­be­reich, tätig ist. In die­sen Fäl­len sind grund­sätz­lich die tat­säch­li­chen Auf­wen­dun­gen für die Fahr­ten absetz­bar.

Auch nach der Ände­rung des Rei­se­kos­ten­rechts zum 1. Janu­ar 2014 (Gesetz zur Ände­rung und Ver­ein­fa­chung der Unter­neh­mens­be­steue­rung und des steu­er­li­chen Rei­se­kos­ten­rechts vom 20. Febru­ar 2013) sind die Fahrt­kos­ten zu stän­dig wech­seln­den Tätig­keits­or­ten, wie vom III. Senat ent­schie­den, grund­sätz­lich unbe­schränkt als Betriebs­aus­ga­ben abzieh­bar.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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