(Kiel) Erstat­te­te Bei­trä­ge zur Basis­kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung sind mit den in dem­sel­ben Ver­an­la­gungs­jahr gezahl­ten Bei­trä­gen zu ver­rech­nen. Es kommt dabei nicht dar­auf an, ob und in wel­cher Höhe der Steu­er­pflich­ti­ge die erstat­te­ten Bei­trä­ge im Jahr ihrer Zah­lung steu­er­lich abzie­hen konn­te.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 12.10.2016 zu dem Urteil vom 6. Juli 2016 (X R 614).

Im Urteils­fall hat­te die pri­va­te Kran­ken­ver­si­che­rung dem Klä­ger im Jahr 2010 einen Teil sei­ner im Jahr 2009 für sich und sei­ne Fami­li­en­mit­glie­der gezahl­ten Bei­trä­ge für die Basis­kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung erstat­tet. Die­se Bei­trä­ge hat­te der Klä­ger im Jahr 2009 ledig­lich in einem nur begrenz­ten Umfang steu­er­lich gel­tend machen kön­nen. Erst seit dem Bür­ger­ent­las­tungs­ge­setz Kran­ken­ver­si­che­rung sind ab 2010 die Bei­trä­ge zur Basis­kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 3 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes in vol­ler Höhe als Son­der­aus­ga­ben abzieh­bar.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung sind erstat­te­te Son­der­aus­ga­ben, zu denen u.a. Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge gehö­ren, mit den in die­sem Jahr gezahl­ten gleich­ar­ti­gen Son­der­aus­ga­ben zu ver­rech­nen. Daher min­der­te das Finanz­amt (FA) im Streit­fall die abzieh­ba­ren Son­der­aus­ga­ben des Klä­gers. Hier­mit war der Klä­ger nicht ein­ver­stan­den. Sei­ne Kla­ge vor dem Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richt hat­te Erfolg (Urteil vom 18. Dezem­ber 2013 4 K 139/13, EFG 2014, 832), in Par­al­lel­fäl­len gaben ande­re Finanz­ge­rich­te hin­ge­gen der Finanz­ver­wal­tung Recht.

Der BFH wies im Streit­fall auf Revi­si­on des FA die Kla­ge ab. Nach dem Urteil ist die Bei­trags­ver­rech­nung auch dann vor­zu­neh­men, wenn die erstat­te­ten Bei­trä­ge im Jahr ihrer Zah­lung nur beschränkt abzieh­bar waren. An der Ver­rech­nung von erstat­te­ten mit gezahl­ten Son­der­aus­ga­ben habe sich durch das Bür­ger­ent­las­tungs­ge­setz Kran­ken­ver­si­che­rung nichts geän­dert. Für die Gleich­ar­tig­keit der Son­der­aus­ga­ben als Ver­rech­nungs­vor­aus­set­zung sei­en die steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen nicht zu berück­sich­ti­gen. Die Ände­rung der gesetz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen füh­re auch dann zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis, wenn auf­grund der Neu­re­ge­lung die Son­der­aus­ga­ben nicht mehr beschränkt, son­dern unbe­schränkt abzieh­bar sind.

Die im Jahr 2010 vor­ge­nom­me­ne Ver­rech­nung steht schließ­lich nicht im Wider­spruch zur Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, nach der ab dem Jahr 2010 die Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­kos­ten steu­er­lich zu berück­sich­ti­gen sind, soweit sie den ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­nen Basis­schutz gewähr­leis­ten. Denn dies gilt nur für die Auf­wen­dun­gen, durch die der Steu­er­pflich­ti­ge tat­säch­lich wirt­schaft­lich end­gül­tig belas­tet wird. Zwar füh­ren die Bei­trags­zah­lun­gen zu einer wirt­schaft­li­chen Belas­tung. Die­se ent­fällt aber im Umfang der gleich­ar­ti­gen Bei­trags­rück­erstat­tun­gen.

Eben­so hat der BFH in zwei Par­al­lel­fäl­len mit Urtei­len vom 6. Juli 2016 X R 2214 und vom 3. August 2016 X R 3515 ent­schie­den.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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