(Kiel) Der IX. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat ent­schie­den, dass das schlich­te “Ver­ges­sen” des Über­trags selbst ermit­tel­ter Besteue­rungs­grund­la­gen –im Urteils­fall ein Ver­lust­be­trag– in die ent­spre­chen­de Anla­ge zu einer elek­tro­ni­schen Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung nicht grund­sätz­lich als “grob fahr­läs­sig” anzu­se­hen ist.

Danach könn­ten sol­che, die Steu­er­last min­dern­den Tat­sa­chen nach § 173 Abs. 1 Nr. 2 der Abga­ben­ord­nung (AO) auch dann noch berück­sich­tigt wer­den, wenn sie dem Finanz­amt (FA) erst nach Bestands­kraft der Steu­er­ver­an­la­gung mit­ge­teilt wer­den.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 24.06.2015 zu sei­nem Urteil vom 10. Febru­ar 2015 (IX R 1814).

Der Klä­ger hat­te im Jahr 2007 aus der Auf­lö­sung einer GmbH einen steu­er­lich berück­sich­ti­gungs­fä­hi­gen Ver­lust erzielt, über den er sei­nen Steu­er­be­ra­ter zutref­fend infor­miert hat­te. In den vom Bera­ter gefer­tig­ten elek­tro­ni­schen Steu­er­erklä­run­gen fehl­ten jedoch Anga­ben zu die­sem Ver­lust; denn obwohl der Bera­ter den Ver­lust­be­trag per­sön­lich berech­net hat­te, ver­gaß er, den ermit­tel­ten Betrag in das ent­spre­chen­de Feld des EDV-Pro­gramms zu über­tra­gen. Das FA, das somit von dem Ver­lust kei­ne Kennt­nis erlang­te, ver­an­lag­te den Klä­ger erklä­rungs­ge­mäß.

Im Jahr 2011 bean­trag­te der Klä­ger nach­träg­lich, den Ver­lust noch zu berück­sich­ti­gen. Das FA lehn­te dies ab; denn nach § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO sei eine Ände­rung nur mög­lich, wenn den Steu­er­pflich­ti­gen kein gro­bes Ver­schul­den dar­an tref­fe, dass die vor­ge­brach­ten “neu­en” Tat­sa­chen, die zu einer nied­ri­ge­ren Steu­er führ­ten, erst nach­träg­lich bekannt wer­den. Auch wenn dem Klä­ger selbst im Streit­fall kein schuld­haf­tes Han­deln vor­zu­wer­fen sei, so habe doch der steu­er­li­che Bera­ter des Klä­gers grob fahr­läs­sig gehan­delt, indem er den Über­trag des bereits berech­ne­ten Ver­lust­be­tra­ges in die ent­spre­chen­de Anla­ge zur Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung schlicht “ver­ges­sen” habe. Die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge wies das Finanz­ge­richt (FG) als unbe­grün­det ab.

Der BFH hob die Vor­ent­schei­dung auf und ver­wies den Rechts­streit an das FG zurück. Der BFH stell­te zunächst klar, dass der Begriff des Ver­schul­dens i.S. von § 173 Abs. 1 Nr. 2 AO bei elek­tro­nisch gefer­tig­ten Steu­er­erklä­run­gen in glei­cher Wei­se aus­zu­le­gen sei wie bei schrift­lich gefer­tig­ten Erklä­run­gen. Aller­dings sei­en Beson­der­hei­ten der elek­tro­ni­schen Steu­er­erklä­rung hin­sicht­lich ihrer Über­sicht­lich­keit bei der not­wen­di­gen Beur­tei­lung des “indi­vi­du­el­len Ver­schul­dens” des Steu­er­pflich­ti­gen oder sei­nes Bera­ters eben­so zu berück­sich­ti­gen wie der Umstand, dass am Com­pu­ter­bild­schirm ein Über­blick über die aus­füll­ba­ren Fel­der der elek­tro­ni­schen Steu­er­erklä­rung mit­un­ter schwie­ri­ger zu erlan­gen sei, als in einer Steu­er­erklä­rung in Papier­form.

Gera­de ein sol­ches indi­vi­du­el­les Fehl­ver­hal­ten, für das das FA die Beweis­last tra­ge, habe das FG im Streit­fall jedoch nicht fest­ge­stellt. Die Nach­läs­sig­keit, die im Streit­fall dazu geführt habe, dass der Ver­lust erst nach­träg­lich bekannt wur­de, habe ledig­lich dar­in bestan­den, dass der errech­ne­te Ver­lust­be­trag nicht in das elek­tro­ni­sche For­mu­lar über­tra­gen wor­den war. Dar­in lie­ge ein unbe­wuss­ter –mecha­ni­scher– Feh­ler, der jeder­zeit bei der Ver­wen­dung eines Steu­er­pro­gramms unter­lau­fen kön­ne, wel­ches den Finanz­äm­tern die mecha­ni­sche Erfas­sungs­ar­beit von Steu­er­erklä­rungs­da­ten abneh­me. Sol­che blo­ßen Über­tra­gungs- oder Ein­ga­be­feh­ler zähl­ten zu den Nach­läs­sig­kei­ten, die übli­cher­wei­se vor­kä­men und mit denen immer gerech­net wer­den müs­se; sie sei­en jeden­falls dann nicht als grob fahr­läs­sig zu wer­ten, wenn sie selbst bei sorg­fäl­ti­ger Arbeit nicht zu ver­mei­den sei­en.

Im zwei­ten Rechts­zug wird nun das FG erneut prü­fen, ob den Steu­er­be­ra­ter ggf. aus ande­ren Grün­den ein gro­bes Ver­schul­den dar­an trifft, dass der Ver­lust des Klä­gers dem FA erst nach­träg­lich bekannt gewor­den ist.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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