(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hofs hat ent­schie­den, dass die Ein­künf­te einer GbR, die haupt­säch­lich Ein­künf­te aus selb­stän­di­ger Arbeit erzielt und dane­ben in gerin­gem Umfang eine gewerb­li­che Tätig­keit aus­übt, dann nicht ins­ge­samt zu gewerb­li­chen Ein­künf­ten umqua­li­fi­ziert wer­den (sog. Abfär­be­wir­kung), wenn die gewerb­li­chen Umsät­ze eine Baga­tell­gren­ze in Höhe von 3 % der Gesamt­net­to­um­sät­ze und zusätz­lich den Betrag von 24.500 € im Ver­an­la­gungs­zeit­raum nicht über­stei­gen.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Fach­an­walt für Erb-, Steu­er- sowie Han­dels- und Gesell­schafts­recht Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 11.02.2015 zu sei­nem Urteil vom 27. August 2014 — VIII R 612.

Im Streit­fall waren die Gesell­schaf­ter der GbR als Rechts­an­wäl­te und Insol­venz­ver­wal­ter tätig. In eini­gen Fäl­len wur­de in den Streit­jah­ren jedoch kei­ner der Gesell­schaf­ter, son­dern ein ange­stell­ter Rechts­an­walt zum (vor­läu­fi­gen) Insol­venz­ver­wal­ter oder Treu­hän­der bestellt.

Der BFH ist wie die Vor­in­stanz der Rechts­auf­fas­sung des Finanz­am­tes, wonach die Tätig­keit der GbR in vol­lem Umfang als gewerb­lich zu beur­tei­len ist, nicht gefolgt. Zwar beur­teil­te er im Streit­fall die von dem ange­stell­ten Rechts­an­walt aus sei­ner Tätig­keit als Insol­venz­ver­wal­ter und Treu­hän­der erziel­ten Umsät­ze als gewerb­li­che Ein­künf­te der GbR, da die Gesell­schaf­ter inso­weit nicht mehr — wie es § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) ver­langt — auf­grund eige­ner Fach­kennt­nis­se selbst lei­tend und eigen­ver­ant­wort­lich tätig gewe­sen sind. Die „Abfär­bung“ die­ser gewerb­li­chen Ein­künf­te auf die übri­gen Ein­künf­te der GbR nach § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG lehn­te er jedoch als unver­hält­nis­mä­ßig ab. Da das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit die­ser Norm gera­de auch im Hin­blick auf die dazu ergan­ge­ne ein­schrän­ken­de Recht­spre­chung des BFH bejaht hat, hält der BFH an die­ser Recht­spre­chung fest. Danach führt eine gewerb­li­che Tätig­keit dann nicht zu einer Umqua­li­fi­zie­rung der frei­be­ruf­li­chen Ein­künf­te, wenn es sich um eine gewerb­li­che Tätig­keit von äußerst gerin­gem Umfang han­delt. Wie der BFH nun­mehr ent­schie­den hat, haben gewerb­li­che Umsät­ze einen äußerst gerin­gen Umfang in die­sem Sin­ne, wenn sie 3 % der Gesamt­net­to­um­sät­ze der GbR und den Betrag von 24.500 € nicht über­stei­gen.

Mit zwei wei­te­ren Urtei­len vom glei­chen Tag hat der VIII. Senat eben­falls die Anwend­bar­keit der Abfär­be­wir­kung anhand die­ser Baga­tell­gren­ze geprüft.

Im Ver­fah­ren VIII R 1611 hat der BFH die Umqua­li­fi­zie­rung der künst­le­ri­schen Tätig­keit einer GbR in gewerb­li­che Ein­künf­te ver­neint, weil die gewerb­li­chen Umsät­ze weni­ger als 3 % der Gesamt­net­to­um­sät­ze betru­gen und unter­halb von 24.500 € lagen. Im Ver­fah­ren VIII R 4111 hat der BFH hin­ge­gen die Umqua­li­fi­zie­rung der frei­be­ruf­li­chen Ein­künf­te einer GbR in gewerb­li­che Ein­künf­te bejaht, weil die erziel­ten gewerb­li­chen Umsät­ze die Gren­ze von 3 % der Gesamt­net­to­um­sät­ze in den Streit­jah­ren über­schrit­ten hat­ten.

Dr. Gie­se­ler emp­fahl, dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wozu er u. a. auch auf den DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. – www.duv-verband.de – ver­wies.

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