(Kiel) Der II. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (BVerfG) die Fra­ge vor­ge­legt, ob die Vor­schrif­ten über die Ein­heits­be­wer­tung des Grund­ver­mö­gens seit dem Fest­stel­lungs­zeit­punkt 1. Janu­ar 2009 wegen Ver­sto­ßes gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes) ver­fas­sungs­wid­rig sind.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 3.12.2014 zu sei­nem Beschluss vom 22. Okto­ber 2014 — II R 1613.

In dem Ver­fah­ren, das dem Vor­la­ge­be­schluss zugrun­de liegt, hat­te der Klä­ger im Jahr 2008 eine Teil­ei­gen­tums­ein­heit (Laden­lo­kal) im ehe­ma­li­gen West­teil von Ber­lin erwor­ben. Er ist der Ansicht, dass der gegen­über dem Vor­ei­gen­tü­mer fest­ge­stell­te Ein­heits­wert für das Teil­ei­gen­tum ihm gegen­über kei­ne Bin­dungs­wir­kung ent­fal­ten kön­ne, weil die Vor­schrif­ten über die Ein­heits­be­wer­tung des Grund­ver­mö­gens wegen des lan­ge zurück­lie­gen­den Haupt­fest­stel­lungs­zeit­punkts 1. Janu­ar 1964 ver­fas­sungs­wid­rig sei­en. Die Ein­heits­wert­fest­stel­lung müs­se daher zum 1. Janu­ar 2009 ersatz­los auf­ge­ho­ben wer­den.

Der BFH stützt sei­ne Vor­la­ge auf fol­gen­de Gesichts­punk­te:

Ein­heits­wer­te wer­den für Betrie­be der Land- und Forst­wirt­schaft, für Betriebs­grund­stü­cke und für ande­re Grund­stü­cke fest­ge­stellt. Sie sind neben den Steu­er­mess­zah­len und den von den Gemein­den fest­ge­leg­ten Hebe­sät­zen Grund­la­ge für die Bemes­sung der Grund­steu­er. Maß­ge­bend für die Fest­stel­lung der Ein­heits­wer­te sind in den alten Bun­des­län­dern und West-Ber­lin die Wert­ver­hält­nis­se im Haupt­fest­stel­lungs­zeit­punkt 1. Janu­ar 1964.

Der BFH ist der Ansicht, dass die Maß­geb­lich­keit die­ser ver­al­te­ten Wert­ver­hält­nis­se (spä­tes­tens) seit dem Fest­stel­lungs­zeit­punkt 1. Janu­ar 2009 wegen des 45 Jah­re zurück­lie­gen­den Haupt­fest­stel­lungs­zeit­punkts nicht mehr mit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an eine gleich­heits­ge­rech­te Aus­ge­stal­tung des Steu­er­rechts ver­ein­bar ist. Durch den Ver­zicht auf wei­te­re Haupt­fest­stel­lun­gen sei es nach Anzahl und Aus­maß zu dem Gleich­heits­satz wider­spre­chen­den Wert­ver­zer­run­gen bei den Ein­heits­wer­ten gekom­men. Die seit 1964 ein­ge­tre­te­ne rasan­te städ­te­bau­li­che Ent­wick­lung gera­de im groß­städ­ti­schen Bereich, die Fort­ent­wick­lung des Bau­we­sens nach Bau­art, Bau­wei­se, Kon­struk­ti­on und Objekt­grö­ße sowie ande­re tief­grei­fen­de Ver­än­de­run­gen am Immo­bi­li­en­markt fän­den kei­nen ange­mes­se­nen Nie­der­schlag im Ein­heits­wert.

Der BFH ver­tritt indes nicht die Auf­fas­sung, dass das Niveau der Grund­steu­er ins­ge­samt zu nied­rig sei und ange­ho­ben wer­den müs­se. Viel­mehr geht es ledig­lich dar­um, dass die ein­zel­nen wirt­schaft­li­chen Ein­hei­ten inner­halb der jewei­li­gen Gemein­de im Ver­hält­nis zuein­an­der rea­li­täts­ge­recht bewer­tet wer­den müs­sen. Nur eine sol­che Bewer­tung kann gewähr­leis­ten, dass die Belas­tung mit Grund­steu­er sach­ge­recht aus­ge­stal­tet wird und mit dem Gleich­heits­satz ver­ein­bar ist.

Es obliegt nun­mehr dem BVerfG, über die Vor­la­ge­fra­ge zu ent­schei­den. Der Vor­la­ge­be­schluss steht als sol­cher dem Erlass von Ein­heits­wert­be­schei­den, Grund­steu­er­mess­be­schei­den und Grund­steu­er­be­schei­den sowie der Bei­trei­bung von Grund­steu­er nicht ent­ge­gen. Die ent­spre­chen­den Beschei­de wer­den jedoch für vor­läu­fig zu erklä­ren sein.

Die Vor­la­ge betrifft nicht die Bewer­tung des Grund­ver­mö­gens im Bei­tritts­ge­biet, für die die Wert­ver­hält­nis­se am Haupt­fest­stel­lungs­zeit­punkt 1. Janu­ar 1935 maß­ge­bend sind. Die Grün­de, die den BFH zu der Vor­la­ge ver­an­lasst haben, gel­ten aber auf­grund die­ses noch län­ger zurück­lie­gen­den Haupt­fest­stel­lungs­zeit­punkts erst recht im Bei­tritts­ge­biet.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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