(Kiel) Das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz (FG) hat als bun­des­weit ers­tes Finanz­ge­richt ent­schie­den, dass der für Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge vor­zu­neh­men­de Son­der­aus­ga­ben­ab­zug nicht um Zah­lun­gen zu kür­zen ist, die von der Kran­ken­kas­se im Rah­men eines „Bonus­pro­gramms“ geleis­tet wer­den. Wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung der Rechts­sa­che wur­de die Revi­si­on zum Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) zuge­las­sen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts Rhein­land-Pfalz (FG) vom 22.06.2015 zu sei­nem Urteil vom 28. April 2015 (3 K 138714).

Die Klä­ger mach­ten in ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung für 2012 Arbeit­neh­mer­bei­trä­ge der Klä­ge­rin zur gesetz­li­chen Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung (Basis­ab­si­che­rung) als Son­der­aus­ga­ben gel­tend (2.663 €). Im Ein­kom­men­steu­er­be­scheid wur­den die­se Bei­trä­ge vom beklag­ten Finanz­amt gekürzt, weil die Klä­ge­rin im Rah­men eines Bonus­pro­gramms von ihrer Kran­ken­kas­se 150 € erhal­ten hat­te.

Dage­gen leg­ten die Klä­ger Ein­spruch ein und mach­ten gel­tend, bei der Zah­lung hand­le es sich nicht um eine Bei­trags­rück­erstat­tung. Es hand­le sich viel­mehr um einen Zuschuss der Kran­ken­kas­se, weil die Klä­ge­rin an dem Bonus­mo­dell „Vor­sor­ge PLUS“ teil­ge­nom­men habe. Danach erhal­te der­je­ni­ge, der bestimm­te Vor­sor­ge­maß­nah­men (z.B. Krebs­vor­sor­ge­un­ter­su­chung) durch­ge­führt habe, am Jah­res­en­de einen Zuschuss der Kran­ken­kas­se von bis zu 150,00 € jähr­lich zu sei­nen Kos­ten für Gesund­heits­maß­nah­men, die pri­vat zu zah­len und nicht im Ver­si­che­rungs­um­fang ent­hal­ten sei­en (z.B. Mas­sa­gen, homöo­pa­thi­sche Arz­nei­mit­tel, Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel, Gesund­heits­rei­sen, Eigen­leis­tun­gen zur Gesund­heits­vor­sor­ge wie z.B. Fit­ness-Stu­dio oder Sport­ver­ein).

Das Finanz­amt wies den Ein­spruch mit Ein­spruchs­ent­schei­dung vom 20. Febru­ar 2014 als unbe­grün­det zurück. Die dage­gen erho­be­ne Kla­ge der Klä­ger hat­te Erfolg. Das FG kam zu dem Ergeb­nis, dass die Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge der Klä­ge­rin zur Basis­ab­si­che­rung in vol­ler Höhe als Son­der­aus­ga­ben abzugs­fä­hig sind und nicht um den von der Kran­ken­kas­se gezahl­ten Bonus gekürzt wer­den dür­fen.

Zur Begrün­dung führ­te das Gericht Fol­gen­des aus:

Nach der seit Janu­ar 2010 gel­ten­den Neu­re­ge­lung zur Berück­sich­ti­gung von Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen sei­en die Bei­trä­ge zur pri­va­ten oder gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung für eine Absi­che­rung auf sozi­al­hil­fe­glei­chem Ver­sor­gungs­ni­veau (Basis­ab­si­che­rung) in vol­lem Umfang als Son­der­aus­ga­ben abzieh­bar.

Zwar dürf­ten nur sol­che Aus­ga­ben als Son­der­aus­ga­ben berück­sich­tigt wer­den, durch die der Steu­er­pflich­ti­ge tat­säch­lich und end­gül­tig wirt­schaft­lich belas­tet sei. Eine Ver­rech­nung von Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen mit Erstat­tun­gen oder Zuschüs­sen set­ze aller­dings deren „Gleich­ar­tig­keit“ vor­aus. Eine sol­che „Gleich­ar­tig­keit“ bestehe zwi­schen den Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen der Klä­ge­rin und der Bonus­zah­lung der Kran­ken­kas­se nicht. Die Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge dien­ten der Absi­che­rung des Risi­kos, Kos­ten im Krank­heits­fall selbst tra­gen zu müs­sen, aller­dings nur in Bezug auf sol­che Kos­ten, die die Basis­ver­sor­gung betref­fen wür­den, weil nur die­se ver­si­chert sei. Mit die­sem (begrenz­ten) Ver­si­che­rungs­schutz ste­he die Bonus­zah­lung nicht im Zusam­men­hang. Da näm­lich alle Ver­si­che­rungs­mit­glie­der – ob sie nun an dem Bonus­mo­dell teil­neh­men wür­den oder nicht – Anspruch auf sämt­li­che Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen (zur Basis­ver­sor­gung) hät­ten, sei der Ver­si­che­rungs­schutz (Basis­ab­si­che­rung) unab­hän­gig von der Teil­nah­me am Bonus­pro­gramm gege­ben. Es feh­le daher an der erfor­der­li­chen „Gleich­ar­tig­keit“ zwi­schen der Bonus­zah­lung und den Bei­trä­gen der Klä­ge­rin zu ihrer Basis-Kran­ken­ver­si­che­rung, weil die Bonus­zah­lung nicht der Erlan­gung des Ver­si­che­rungs­schut­zes die­ne. Außer­dem könn­ten die Bonus­zah­lun­gen der Kran­ken­kas­se auch des­halb nicht als Rück­erstat­tung von Bei­trä­gen zur Basis-Kran­ken­ver­si­che­rung qua­li­fi­ziert wer­den, weil mit die­ser Zah­lung ledig­lich sol­che Krank­heits­kos­ten erstat­tet wor­den sei­en, die außer­halb des Ver­si­che­rungs­schut­zes ange­fal­len und daher von der Klä­ge­rin selbst zu tra­gen gewe­sen sei­en. Eine Gleich­ar­tig­keit von sol­chen Bonus­zah­lun­gen mit Son­der­aus­ga­ben wür­de vor­aus­set­zen, dass der Ver­si­che­rungs­schutz auch die selbst getra­ge­nen Auf­wen­dun­gen umfasst hät­te. Dies sei hier nicht der Fall.

Im Übri­gen sei auch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen der Auf­fas­sung, dass Basis-Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge nur durch Bei­trags­rück­erstat­tun­gen bzw. Bonus­zah­lun­gen gemin­dert wer­den könn­ten, „soweit sie auf die Basis-Absi­che­rung ent­fal­len“ wür­den. Da die Bonus­zah­lung im vor­lie­gen­den Fall aller­dings kei­ne Auf­wen­dun­gen erstat­tet habe, die von der Basis-Absi­che­rung umfasst wür­den (s.o.), könn­ten die Bonus­zah­lun­gen die abzieh­ba­ren Basis-Kran­ken­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge nicht min­dern.

Die Revi­si­on wur­de wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung zuge­las­sen, weil noch kei­ne Ent­schei­dung des BFH dazu vor­liegt, ob der Son­der­aus­ga­ben­ab­zug für Bei­trä­ge eines Steu­er­pflich­ti­gen zur Basis-Kran­ken­ver­si­che­rung um Bonus­zah­lun­gen der hier vor­lie­gen­den Art (Zah­lung der Kran­ken­kas­se im Rah­men eines „Bonus­pro­gramms“) gekürzt wer­den darf.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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