(Kiel) Eine Umsatz­steu­er­fest­set­zung kann nach § 27 Abs. 19 Satz 1 des Umsatz­steu­er­ge­set­zes (UStG) gegen­über dem leis­ten­den Unter­neh­mer nur dann (zu sei­nem Nach­teil) geän­dert wer­den, wenn ihm ein abtret­ba­rer Anspruch auf Zah­lung der gesetz­lich ent­stan­de­nen Umsatz­steu­er gegen den Leis­tungs­emp­fän­ger zusteht.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 5.04.2017 zu sei­nem Urteil vom 23. Febru­ar 2017 (V R 16, 2416) in einem klas­si­schen Bau­trä­ger­fall.

Umsatz­be­steue­rung bei Bau­leis­tun­gen ist dif­fi­zil; für vom Bau­hand­wer­ker an einen Bau­trä­ger erbrach­te Bau­leis­tun­gen kann kraft Son­der­re­ge­lung der leis­tungs­emp­fan­gen­de Bau­trä­ger Umsatz­steu­er­schuld­ner sein, was den fis­ka­li­schen Erfolg der Umsatz­be­steue­rung jeden­falls erhöht. Aller­dings hat­te der BFH eine sol­che (damals durch Ver­wal­tungs­vor­schrift kon­kre­ti­sier­te) Über­tra­gung der Steu­er­schuld­ner­schaft ein­ge­engt (Urteil vom 22. August 2013 V R 3710). Der Gesetz­ge­ber bes­ser­te für die Zukunft nach und schuf eine Über­gangs­re­ge­lung für Alt­fäl­le (Stich­tag: 15. Febru­ar 2014), um bei Rück­erstat­tung der gezahl­ten Steu­ern an den nur ver­meint­li­chen Steu­er­schuld­ner (Bau­trä­ger) den eigent­li­chen Steu­er­schuld­ner (Bau­hand­wer­ker) nach­träg­lich belas­ten zu kön­nen. So ist nach § 27 Abs. 19 Satz 1 UStG die gegen den leis­ten­den Unter­neh­mer wir­ken­de Steu­er­fest­set­zung zu ändern, wenn der Leis­tungs­emp­fän­ger die Erstat­tung der Steu­er for­dert und bei­de davon aus­ge­gan­gen waren, dass der Leis­tungs­emp­fän­ger die Steu­er auf die vom Leis­ten­den erbrach­te Leis­tung schul­det; dar­über hin­aus wird die Erfül­lungs­wir­kung der Abtre­tung des Zah­lungs­an­spruchs des Leis­ten­den gegen den Leis­tungs­emp­fän­ger an das Finanz­amt (FA) gere­gelt (§ 27 Abs. 19 Sät­ze 2 ff. UStG).

Und so lag auch der Streit­fall: Die Klä­ge­rin (eine GmbH) erbrach­te Mau­er­ar­bei­ten gegen­über einer Bau­trä­ger-GmbH. Jene wur­de vom FA — ent­spre­chend der all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­vor­schrift — als steu­er­pflich­ti­ge Leis­tungs­emp­fän­ge­rin in Anspruch genom­men. Nach der ein­engen­den BFH-Ent­schei­dung bean­trag­te die Bau­trä­ger-GmbH beim FA die Erstat­tung der Umsatz­steu­er, die sie in der Annah­me ent­rich­tet hat­te, Steu­er­schuld­ne­rin zu sein. Das FA setz­te dar­auf­hin die Umsatz­steu­er gegen­über der Klä­ge­rin fest. Hier­ge­gen berief sich die Klä­ge­rin auf den Schutz ihres Ver­trau­ens in die von der Finanz­ver­wal­tung prak­ti­zier­te Rechts­la­ge. Das Finanz­ge­richt bil­lig­te die Umsatz­steu­er­fest­set­zung, ver­pflich­te­te aber das FA dazu, das Ange­bot der Klä­ge­rin auf Abtre­tung ihres Anspruchs gegen die Bau­trä­ger-GmbH auf Zah­lung der gesetz­lich ent­stan­de­nen Umsatz­steu­er anzu­neh­men.

Der BFH bestä­tig­te die Vor­in­stanz im Ergeb­nis. Die gesetz­li­che Über­gangs­re­ge­lung (§ 27 Abs. 19 UStG) schließt den all­ge­mei­nen Ver­trau­ens­schutz gegen­über einer belas­ten­den Ände­rung (§ 176 Abs. 2 der Abga­ben­ord­nung) aus. Die Rechts­la­ge ent­spricht nach der Ent­schei­dung des BFH aber nur dann den uni­ons­recht­li­chen Prin­zi­pi­en des Ver­trau­ens­schut­zes, der Rechts­si­cher­heit und der Neu­tra­li­tät, wenn die Befug­nis des FA zur Ände­rung der Umsatz­steu­er­fest­set­zung gegen den Leis­ten­den vor­aus­setzt, dass die­sem ein abtret­ba­rer Anspruch auf Zah­lung der gesetz­lich ent­stan­de­nen Umsatz­steu­er gegen den Leis­tungs­emp­fän­ger tat­säch­lich zusteht. Der Bau­hand­wer­ker wird auf die­se Wei­se voll­stän­dig von der Umsatz­steu­er auf sei­ne Leis­tun­gen ent­las­tet; er steht dann so, wie er stün­de, wenn alles von vorn­her­ein rich­tig beur­teilt wor­den wäre.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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