(Kiel) Der VIII. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat soeben erst­mals ent­schie­den, dass die Anwen­dung des geson­der­ten Steu­er­ta­rifs für Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen gemäß § 32d Abs. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) in Höhe von 25 % (sog. Abgel­tungs­teu­er­satz) nach § 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a EStG bei der Gewäh­rung von Dar­le­hen zwi­schen Ehe­gat­ten auf­grund eines finan­zi­el­len Abhän­gig­keits­ver­hält­nis­ses aus­ge­schlos­sen ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 11.03.2015 zu sei­nem Urteil vom 28. Janu­ar 2015 — VIII R 814.

Der Klä­ger gewähr­te sei­ner Ehe­frau fest ver­zins­li­che Dar­le­hen zur Anschaf­fung und Reno­vie­rung einer fremd ver­mie­te­ten Immo­bi­lie. Die Beson­der­heit des Fal­les lag dar­in, dass die Ehe­frau weder über eige­ne finan­zi­el­le Mit­tel ver­füg­te noch eine Bank den Erwerb und die Reno­vie­rung des Objekts zu 100 % finan­ziert hät­te und sie daher auf die Dar­le­hens­ge­wäh­rung durch den Klä­ger ange­wie­sen war. Das Finanz­amt besteu­er­te die hier­aus erziel­ten Kapi­tal­er­trä­ge des Klä­gers mit der tarif­li­chen Ein­kom­men­steu­er: Der nied­ri­ge­re Abgel­tungs­teu­er­satz sei nach § 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a EStG nicht anzu­wen­den, weil Gläu­bi­ger und Schuld­ner der Kapi­tal­er­trä­ge „ein­an­der nahe ste­hen­de Per­so­nen“ im Sin­ne des Geset­zes sei­en.

Der BFH bestä­tig­te die­se Auf­fas­sung: Zwar sei bei ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung des § 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a EStG ein ledig­lich aus der Ehe abge­lei­te­tes per­sön­li­ches Inter­es­se nicht aus­rei­chend, um ein Nähe­ver­hält­nis i.S. des § 32d Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a EStG zu begrün­den (vgl. Urtei­le des VIII. Senats vom 29. April 2014 VIII R 913, VIII R 3513 und VIII R 4413, PM Nr. 5914). Jedoch sei die Ehe­frau bei der Auf­nah­me der Dar­le­hen von dem Klä­ger als Dar­le­hens­ge­ber (abso­lut) finan­zi­ell abhän­gig gewe­sen, so dass ein Beherr­schungs­ver­hält­nis vor­lie­ge, das gemäß § 32d Abs. 2 Satz 1 Buchst. a EStG zum Aus­schluss der Anwen­dung des geson­der­ten Tarifs für Kapi­tal­ein­künf­te füh­re.

Der Aus­schluss des Abgel­tungs­teu­er­sat­zes ver­stößt nach Auf­fas­sung des BFH in die­sem Fall weder gegen Art. 6 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes (GG) noch gegen Art. 3 Abs. 1 GG, da er nicht an das per­sön­li­che Nähe­ver­hält­nis der Ehe­gat­ten anknüpft, son­dern auf der finan­zi­el­len Abhän­gig­keit des Dar­le­hens­neh­mers vom Dar­le­hens­ge­ber beruht. Die Anwen­dung des all­ge­mei­nen Steu­er­ta­rifs führt hier zu kei­ner Ungleich­heit, son­dern stellt im Hin­blick auf die Besteue­rung nach der Leis­tungs­fä­hig­keit durch den Aus­schluss von Mit­nah­me­ef­fek­ten eine grö­ße­re Gleich­heit her.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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