(Kiel) Der VI. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat ent­schie­den, dass die Über­prü­fung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit einer Anla­ge (Dicht­heits­prü­fung einer Abwas­ser­lei­tung) durch einen Hand­wer­ker und damit die Erhe­bung des unter Umstän­den noch man­gel­frei­en Ist­zu­stan­des eben­so eine steu­er­be­güns­tig­te Hand­wer­ker­leis­tung i.S. des § 35a Abs. 3 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) sein kann wie die Besei­ti­gung eines bereits ein­ge­tre­te­nen Scha­dens oder vor­beu­gen­de Maß­nah­men zur Scha­dens­ab­wehr.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 28.01.2015 zu sei­nem Urteil vom 6. Novem­ber 2014 — VI R 113.

Der Klä­ger bean­trag­te in der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 2010 für eine Dicht­heits­prü­fung der Abwas­ser­lei­tung sei­nes pri­vat genutz­ten Wohn­hau­ses ver­geb­lich eine Steu­er­ermä­ßi­gung nach § 35a Abs. 3 EStG für die Inan­spruch­nah­me von Hand­wer­ker­leis­tun­gen für Reno­vie­rungs-, Erhal­tungs- und Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men. Das Finanz­amt war der Auf­fas­sung, dass die Dicht­heits­prü­fung – wie die vom TÜV oder ande­ren auto­ri­sier­ten Fach­kräf­ten durch­zu­füh­ren­de Sicher­heits­prü­fung einer Hei­zungs­an­la­ge im Gegen­satz zu einer War­tung der Hei­zungs­an­la­ge – mit einer Gut­ach­ter­tä­tig­keit ver­gleich­bar sei. Nach Rand­num­mer 12 des Schrei­bens des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen (BMF) vom 15. Febru­ar 2010 (BSt­Bl I 2010, 140; ersetzt durch BMF-Schrei­ben vom 10. Janu­ar 2014, BSt­Bl I 2014, 75, Rdnr. 22) sei­en aber Auf­wen­dun­gen, bei denen eine Gut­ach­ter­tä­tig­keit im Vor­der­grund ste­he, nicht nach § 35a EStG begüns­tigt. Das Finanz­ge­richt (FG) gab der dar­auf­hin erho­be­nen Kla­ge hin­ge­gen statt.

Dies hat der BFH nun bestä­tigt. Das FG habe die Dicht­heits­prü­fung der Abwas­ser­lei­tun­gen des pri­vat genutz­ten Wohn­hau­ses zu Recht als steu­er­be­güns­tig­te Hand­wer­ker­leis­tun­gen i.S. des § 35a Abs. 3 EStG beur­teilt. Denn die Dicht­heits­prü­fung der Abwas­ser­lei­tung habe der Über­prü­fung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit einer Haus­an­la­ge gedient und sei damit als (vor­beu­gen­de) Erhal­tungs­maß­nah­me zu beur­tei­len. Die regel­mä­ßi­ge Über­prü­fung von Gerä­ten und Anla­gen auf deren Funk­ti­ons­fä­hig­keit erhö­he deren Lebens­dau­er, siche­re deren nach­hal­ti­ge Nutz­bar­keit, die­ne über­dies der vor­beu­gen­den Scha­dens­ab­wehr und zäh­le damit zum Wesen der Instand­hal­tung. Dies gel­te auch dann, wenn hier­über eine Beschei­ni­gung “für amt­li­che Zwe­cke” erstellt wer­de. Denn durch das Aus­stel­len einer sol­chen Beschei­ni­gung wer­de eine hand­werk­li­che Leis­tung weder zu einer gut­ach­ter­li­chen Tätig­keit noch ver­lie­re sie ihren Instand­hal­tungs­cha­rak­ter.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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