Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 23 vom 12. April 2017

Zustän­dig­keit der Fami­li­en­kas­sen für Aus­lands­fäl­le

Urteil vom 19.1.2017 III R 3115

Mit Urteil vom 19. Janu­ar 2017 III R 3115 hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) über die Fol­gen des Tätig­wer­dens einer unzu­stän­di­gen Fami­li­en­kas­se ent­schie­den.

Die Bun­des­agen­tur für Arbeit hat die Zustän­dig­keit für Aus­lands­fäl­le bei bestimm­ten Fami­li­en­kas­sen kon­zen­triert. Danach ist die Fami­li­en­kas­se Sach­sen bun­des­weit zustän­dig, wenn ein Anspruchs­be­rech­tig­ter oder ein Kind ihren Wohn­sitz in Polen haben.

Im Streit­fall hat­te die Klä­ge­rin, eine in Ber­lin leben­de und ver­si­che­rungs­pflich­tig beschäf­tig­te pol­ni­sche Staats­an­ge­hö­ri­ge, Kin­der­geld für ihre in Polen beim geschie­de­nen Ehe­mann leben­de Toch­ter bean­tragt. Die Fami­li­en­kas­se Ber­lin-Bran­den­burg lehn­te den Antrag mit der Begrün­dung ab, dass das Kin­der­geld dem Vater zuste­he. Der dage­gen ein­ge­leg­te Ein­spruch wur­de nicht von der Fami­li­en­kas­se Ber­lin-Bran­den­burg, son­dern von der Fami­li­en­kas­se Sach­sen zurück­ge­wie­sen.

Das Finanz­ge­richt hob die Ein­spruchs­ent­schei­dung auf und ver­trat die Auf­fas­sung, der Ableh­nungs­be­scheid der sach­lich unzu­stän­di­gen Fami­li­en­kas­se Ber­lin-Bran­den­burg rege­le ledig­lich, dass die Klä­ge­rin gegen die­se Behör­de kei­nen Anspruch auf Kin­der­geld habe; über Ansprü­che gegen ande­re Kin­der­geld­kas­sen tref­fe der Bescheid kei­ne Aus­sa­ge.

Der BFH ist dem ent­ge­gen­ge­tre­ten. Die Zustän­dig­keits­an­ord­nung der Bun­des­agen­tur für Arbeit begrün­det kei­ne sach­li­che, son­dern (nur) eine ört­li­che Zustän­dig­keit ihrer Fami­li­en­kas­sen. Der Ableh­nungs­be­scheid war daher nicht nich­tig und auch nicht auf­zu­he­ben, wenn kei­ne ande­ren Rechts­feh­ler vor­la­gen. Die unzu­stän­di­ge Fami­li­en­kas­se Ber­lin-Bran­den­burg konn­te auf den Ein­spruch hin ent­we­der ihren Ableh­nungs­be­scheid auf­he­ben und den Antrag an die ört­lich zustän­di­ge Fami­li­en­kas­se wei­ter­lei­ten oder –wie gesche­hen– die Ent­schei­dung über den Ein­spruch der zustän­di­gen Fami­li­en­kas­se Sach­sen über­las­sen. Die Ableh­nung war auch mate­ri­ell recht­mä­ßig, denn der in Polen leben­de geschie­de­ne Ehe­mann war vor­ran­gig kin­der­geld­be­rech­tigt, weil er die Toch­ter in sei­nen Haus­halt auf­ge­nom­men hat­te.

sie­he auch: Urteil des III. Senats vom 19.1.2017 — III R 3115 -

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