(Kiel) Die Betei­li­gungs­be­griff gemäß § 17 Abs. 1 Satz 4 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) i.d.F. des Steu­er­ent­las­tungs­ge­set­zes (StEnt­lG) 1999÷2000÷2002 ist ver­an­la­gungs­zeit­raum­be­zo­gen aus­zu­le­gen, indem das Tat­be­stands­merk­mal “inner­halb der letz­ten fünf Jah­re am Kapi­tal der Gesell­schaft wesent­lich betei­ligt” in § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG für jeden abge­schlos­se­nen Ver­an­la­gungs­zeit­raum nach der in die­sem Ver­an­la­gungs­zeit­raum jeweils gel­ten­den Betei­li­gungs­gren­ze zu bestim­men ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 20.02.2013 zu sei­nem Urteil vom 11. Dezem­ber 2012 — IX R 712 in einem Fall, in dem der Steu­er­pflich­ti­ge sei­ne Betei­li­gung an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft im Dezem­ber 1999 ver­äu­ßer­te.

Er war zu 9,22% an der AG betei­ligt und in den Jah­ren zuvor bis zu 13,52%. Nach § 17 Abs. 1 EStG waren Anteils­ver­äu­ße­run­gen steu­er­bar, wenn der Ver­äu­ße­rer inner­halb der letz­ten 5 Jah­re am Kapi­tal der Gesell­schaft wesent­lich betei­ligt war. Das StEnt­lG 1999÷2000÷2002 hat­te die Wesent­lich­keits­gren­ze mit Wir­kung vom 1. Janu­ar 1999 von mehr als 25% auf min­des­tens 10% her­ab­ge­setzt. Auf­grund der Rück­wir­kungs­ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts erfass­ten Finanz­amt und Finanz­ge­richt Wert­stei­ge­run­gen ab dem 31. März 1999 bis zur Ver­äu­ße­rung. Aber waren Gewin­ne zu erfas­sen, obschon der Steu­er­pflich­ti­ge in den jewei­li­gen Ver­an­la­gungs­zeit­räu­men nie wesent­lich betei­ligt war?

Der BFH ver­neint die­se Fra­ge. Er legt den Betei­li­gungs­be­griff ver­an­la­gungs­zeit­raum­be­zo­gen aus. Die Wesent­lich­keits­gren­ze von min­des­tens 10% galt nach der Anwen­dungs­vor­schrift des § 52 Abs. 1 EStG erst­mals für den Ver­an­la­gungs­zeit­raum 1999. Dar­aus folgt umge­kehrt zugleich, dass sie für frü­he­re Ver­an­la­gungs­zeit­räu­me nicht anwend­bar war. Des­halb war die Ver­äu­ße­rung im Streit­fall nicht zu besteu­ern: Der Steu­er­pflich­ti­ge war vor 1999 mit höchs­tens 13,52% nicht mehr als 25% und ab 1999 mit 9,22% nicht zu min­des­tens 10% und damit nie wesent­lich am Kapi­tal der AG betei­ligt gewe­sen. Die­se Aus­le­gung ver­mei­det von vorn­her­ein eine Rück­wir­kung des Geset­zes. Sie ist nicht auf die gel­ten­de Rechts­la­ge zu § 17 Abs. 1 EStG über­trag­bar, die kei­ne Wesent­lich­keits­gren­ze mehr kennt.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

 

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Jörg Pas­sau
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