1. Die Rege­lun­gen in § 9 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a ErbStG gel­ten auch beim Erwerb durch Schen­kung unter Leben­den zur Bestim­mung des Zeit­punkts der Aus­füh­rung der Zuwen­dung.

2. Die Schen­kung einer For­de­rung, hin­sicht­lich der eine Bes­se­rungs­ab­re­de getrof­fen wur­de, ist aus­ge­führt, sobald der Bes­se­ru…

(duv) …ngs­fall ein­ge­tre­ten ist. Dies gilt unab­hän­gig davon, wie die Bes­se­rungs­ab­re­de zivil­recht­lich zu beur­tei­len ist.

ErbStG § 9 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a und Nr. 2, § 10 Abs. 1 Satz 3, § 12 Abs. 1
BewG § 4, § 12 Abs. 3

Urteil vom 21. April 2009 II R 5707

Vor­in­stanz: FG des Saar­lan­des vom 13. Novem­ber 2007 2 K 223604 (EFG 2008, 393)

Grün­de

I.
Die Klä­ge­rin­nen und Revi­si­ons­klä­ge­rin­nen (Klä­ge­rin­nen) sind Schwes­tern. Sie schlos­sen sich durch Ver­trag vom 29. Dezem­ber 1992 mit ihren Eltern zu einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) zusam­men, deren Zweck im Hal­ten und Ver­wal­ten von Ver­mö­gen bestand. Am Ver­mö­gen der GbR waren die Klä­ge­rin­nen zunächst zu je 33 v.H. und bei­de Eltern­tei­le zu je 0,5 v.H. betei­ligt. Die Eltern sind 1995 aus­ge­schie­den. Dadurch erhöh­te sich die Betei­li­gung der Klä­ge­rin­nen auf je 13.

Bei Grün­dung der GbR brach­ten die Eltern ihre damals wert­lo­sen Geschäfts­an­tei­le von je 25 v.H. an der … GmbH (GmbH) sowie der Vater mit Wir­kung zum 31. Dezem­ber 1992 zusätz­lich eine gegen die GmbH gerich­te­te For­de­rung in Höhe von 2 506 238,98 DM ein. Hin­sicht­lich der For­de­rung wur­de dabei auf einen “zum Zweck der Sanie­rung” der GmbH aus­ge­stell­ten Bes­se­rungs­schein vom 30. Dezem­ber 1990 Bezug genom­men, mit dem der Vater zunächst der GmbH eine For­de­rung in die­ser Höhe erließ und sodann die GmbH aner­kann­te, dem Vater “die­sen Betrag nebst Zin­sen … zu schul­den”. Außer­dem ver­pflich­te­te sie sich, “die­se Schuld zuzüg­lich auf­ge­lau­fe­ner Zin­sen zu beglei­chen, sobald und soweit sie –ohne Berück­sich­ti­gung die­ses Bes­se­rungs­scheins– han­dels­recht­lich einen Bilanz­ge­winn aus­wei­sen” kön­ne. Die Bes­se­rung trat Ende 1997 ein. Der GbR wur­de zum 31. Dezem­ber 1997 der For­de­rungs­be­trag zuzüg­lich Zin­sen ab dem 1. Janu­ar 1991 von 1 670 497,92 DM (ins­ge­samt ein Betrag von 4 176 735,90 DM) gut­ge­schrie­ben. Davon erhielt der Beklag­te und Revi­si­ons­be­klag­te (das Finanz­amt –FA – ) im Mai 2001 Kennt­nis.

Mit getrenn­ten Beschei­den vom 19. Novem­ber 2002 setz­te er gegen jede der Klä­ge­rin­nen Schen­kungs­teu­er in Höhe von 148 830 DM (76 096,57 €) –jeweils bemes­sen nach 13 von 4 176 735,90 DM– fest. Er nahm dabei an, die Schen­kungs­teu­er sei mit Ein­tritt der Bes­se­rung ent­stan­den.

Ein­spruch und Kla­ge, mit denen die Klä­ge­rin­nen jeweils gel­tend gemacht hat­ten, die Bes­se­rungs­ab­re­de habe eine Stun­dung der ein­ge­brach­ten For­de­rung bewirkt und daher sei­en die Schen­kun­gen bereits im Dezem­ber 1992 mit der Ein­brin­gung der damals noch wert­lo­sen For­de­rung in die GbR aus­ge­führt wor­den, blie­ben erfolg­los. Das Finanz­ge­richt (FG) ver­band die drei Kla­gen zu gemein­sa­mer Ver­hand­lung und Ent­schei­dung und erkann­te, unent­gelt­lich über­tra­gen sei eine erst künf­tig ent­ste­hen­de For­de­rung. Die Schen­kungs­teu­er sei folg­lich erst mit Ein­tritt der Bes­se­rung ent­stan­den. Das Urteil des FG ist in Ent­schei­dun­gen der Finanz­ge­rich­te 2008, 393 ver­öf­fent­licht.

Mit der Revi­si­on rügen die Klä­ge­rin­nen feh­ler­haf­te Anwen­dung des § 9 Abs. 1 Nr. 2 des Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungs­teu­er­ge­set­zes (ErbStG). Zur Begrün­dung tra­gen sie vor, die in die GbR ein­ge­brach­te For­de­rung sei nicht auf­schie­bend bedingt, son­dern zum Zeit­punkt der Ein­brin­gung bereits exis­tent, aber gestun­det gewe­sen. Die strei­ti­gen Schen­kun­gen sei­en daher schon mit der Ein­brin­gung der For­de­rung aus­ge­führt wor­den. Der Bes­se­rungs­schein ent­hal­te drei Rege­lun­gen, und zwar zunächst einen Erlass der Alt­for­de­rung, sodann in glei­cher Höhe ein abs­trak­tes Schuld­an­er­kennt­nis, durch das eine neue For­de­rung ent­stan­den sei, und schließ­lich bezüg­lich die­ser neu­en For­de­rung eine Stun­dungs­ab­re­de. Letz­te­re Abre­de stel­le eine blo­ße Fäl­lig­keits­re­ge­lung dar. Die­se Rege­lung ände­re jedoch nichts dar­an, dass die Klä­ge­rin­nen über die For­de­rung ab deren Ein­brin­gung –wenn auch in gesamt­hän­de­ri­scher Ver­bun­den­heit– hät­ten frei ver­fü­gen kön­nen. Zu einem wei­te­ren Zuwen­dungs­er­folg habe sich der Vater nicht ver­pflich­tet. Für den Ein­tritt der Bes­se­rung habe er kei­ne Gewähr über­nom­men; viel­mehr habe er den Klä­ge­rin­nen ledig­lich die Bes­se­rungs­chan­ce über­tra­gen wol­len. Bei betag­ten Ansprü­chen ent­ste­he die Schen­kungs­teu­er bereits mit ihrer Abtre­tung. § 9 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a ErbStG sei nicht ein­schlä­gig, da Nr. 2 der Vor­schrift eine Son­der­re­ge­lung für Schen­kun­gen dar­stel­le. Die hin­aus­ge­scho­be­ne Fäl­lig­keit sei erst bei der Bewer­tung der Ansprü­che zu berück­sich­ti­gen. Die für die Bewer­tung der ein­ge­brach­ten For­de­run­gen erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen sei­en vom FG jedoch nicht getrof­fen wor­den. Außer­dem sei noch auf­zu­klä­ren, wann das FA erst­mals i.S. des § 170 Abs. 5 Nr. 2 Alter­na­ti­ve 2 der Abga­ben­ord­nung (AO) posi­ti­ve Kennt­nis von den bereits 1992 aus­ge­führ­ten Schen­kun­gen erlangt habe. Gege­be­nen­falls sei die Steu­er bei Erge­hen der ange­foch­te­nen Beschei­de bereits fest­set­zungs­ver­jährt gewe­sen.

Die Klä­ge­rin­nen bean­tra­gen, die Vor­ent­schei­dung sowie die Schen­kungs­teu­er­be­schei­de vom 19. Novem­ber 2002 in Gestalt der Ein­spruchs­ent­schei­dun­gen vom 4. Juni 2004 auf­zu­he­ben.

Das FA bean­tragt, die Revi­si­on zurück­zu­wei­sen.

II.
Die Revi­si­on ist unbe­grün­det; sie war daher zurück­zu­wei­sen (§ 126 Abs. 2 der Finanz­ge­richts­ord­nung –FGO – ). Dadurch, dass der Vater bei Grün­dung der GbR sei­ne For­de­rung gegen die GmbH ein­brach­te, hat er gegen­über den Klä­ge­rin­nen frei­ge­bi­ge Zuwen­dun­gen bewirkt, die erst mit Ein­tritt der Bes­se­rung aus­ge­führt wor­den sind. Da die Eltern zwi­schen der Ein­brin­gung und der Bes­se­rung ihre Antei­le von je 0,5 v.H. an der GbR auf­ge­ge­ben haben, bemisst sich die mit Aus­füh­rung der Schen­kun­gen jeweils ent­stan­de­ne Steu­er nach 13 des For­de­rungs­be­tra­ges.

1. Ver­pflich­tet sich bei Grün­dung einer Per­so­nen­ge­sell­schaft ledig­lich einer der Gesell­schaf­ter zur Ein­brin­gung von Ver­mö­gen, das auf­grund der gesell­schafts­ver­trag­li­chen Rege­lung über die Ver­mö­gens­teil­ha­be (auch) den Wert der Betei­li­gun­gen der ande­ren Gesell­schaf­ter erhöht, ohne dass die­se inner­halb oder außer­halb der Gesell­schaft eine Gegen­leis­tung zu erbrin­gen haben, und kommt jener Gesell­schaf­ter sei­ner Ver­pflich­tung nach, lie­gen in Höhe der Wert­stei­ge­run­gen der Betei­li­gun­gen der ande­ren Gesell­schaf­ter frei­ge­bi­ge Zuwen­dun­gen zu deren Guns­ten vor. Die Berei­che­rung tritt unmit­tel­bar in deren Ver­mö­gen ein (vgl. Urtei­le des Bun­des­fi­nanz­hofs –BFH– vom 14. Sep­tem­ber 1994 II R 95/92, BFHE 176, 44, BSt­Bl II 1995, 81, sowie vom 30. Mai 2001 II R 6/98, BFH/NV 2002, 26, unter II. 2.). Ob sich dar­an infol­ge der Ein­fü­gung des § 10 Abs. 1 Satz 3 ErbStG durch Art. 2 Nr. 2 Buchst. a Dop­pel­buchst. bb des Jah­res­steu­er­ge­set­zes (JStG) 1997 vom 20. Dezem­ber 1996 (BGBl I 1996, 2049) für ver­mö­gens­ver­wal­ten­de und nicht gewerb­lich gepräg­te Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten wie die zwi­schen den Klä­ge­rin­nen bestehen­de GbR etwas geän­dert hat, kann auf sich beru­hen. Selbst wenn § 10 Abs. 1 Satz 3 ErbStG, der gemäß § 37 Abs. 1 ErbStG i.d.F. des Art. 2 Nr. 14 JStG 1997 auf Erwer­be anzu­wen­den ist, für die die Steu­er nach 1995 ent­stan­den ist, nicht nur den Erwerb bereits vor­han­de­ner Betei­li­gun­gen eines ande­ren Gesell­schaf­ters erfas­sen soll­te, son­dern auch die Wert­erhö­hung einer dem Erwer­ber schon gehö­ren­den oder in sei­ner Hand ori­gi­när ent­ste­hen­den Betei­li­gung, wäre dies im Streit­fall ohne Bedeu­tung, da der Vater nur zwei Aktiv­pos­ten in die GbR ein­ge­bracht hat, von denen der eine, näm­lich der Geschäfts­an­teil an der GmbH, bei Ein­brin­gung oben­drein wert­los war (vgl. zur Bedeu­tung auch von Pas­siv­pos­ten für die Ein­fü­gung des § 10 Abs. 1 Satz 3 ErbStG: Meincke, Erb­schaft­steu­er- und Schen­kungs­teu­er­ge­setz, Kom­men­tar, 14. Aufl. 2004, § 10 Rz 21). Für den Zeit­punkt der Aus­füh­rung der Schen­kun­gen und den Umfang der Berei­che­rung ist daher uner­heb­lich, ob auf die Wert­stei­ge­run­gen der Gesell­schafts­be­tei­li­gun­gen abzu­stel­len ist oder auf die Antei­le an der ein­ge­brach­ten For­de­rung. So oder so sind die Zuwen­dun­gen erst 1997, dem Jahr des Ein­tritts der Bes­se­rung (und der Erfül­lung der For­de­rung), aus­ge­führt wor­den, so dass die Steu­er gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG auch –wie vom FG ange­nom­men– jeweils erst 1997 ent­stan­den ist.

2. Die zivil­recht­li­che Ein­ord­nung der Bes­se­rungs­ab­re­den ist umstrit­ten (vgl. dazu Kilger/Karsten Schmidt, Insol­venz­ge­set­ze, KO, VglO, GesO, 17. Aufl. 1997, § 3 KO Rz 2 h). Zur Erklä­rung her­an­ge­zo­gen wer­den die Stun­dung, der Ver­zicht, der Erlass oder ein pac­tum de non peten­do (zu Letz­te­rem: Schra­der, Die Bes­se­rungs­ab­re­de, 1995, S. 48 ff., 142). Die Annah­me eines Ver­zichts, Erlas­ses oder eines pac­tum de non peten­do ist dabei ent­we­der mit der Vor­stel­lung ver­bun­den, er bzw. es sei auf­lö­send bedingt und die For­de­rung lebe mit Bedin­gungs­ein­tritt wie­der auf (so BFH-Urtei­le vom 30. Mai 1990 I R 41/87, BFHE 161, 87, BSt­Bl II 1991, 588, 591, sowie vom 30. März 1993 IV R 57/91, BFHE 170, 449, BSt­Bl II 1993, 502, unter 1. d; Schra­der, a.a.O., S. 142), oder aber mit der Vor­stel­lung, der Ver­zicht oder Erlass gehe mit der Begrün­dung einer neu­en auf­schie­bend beding­ten For­de­rung etwa durch Schuld­an­er­kennt­nis ein­her (vgl. dazu Her­ling­haus, For­de­rungs­ver­zich­te und Bes­se­rungs­ver­ein­ba­run­gen zur Sanie­rung von Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten, 1994, S. 121, m.w.N.). Auch die Annah­me einer Stun­dung kann mit der Vor­stel­lung ver­bun­den sein, es lie­ge dar­über hin­aus ein abs­trak­tes Schuld­an­er­kennt­nis vor, wobei dann bei­de For­de­run­gen, näm­lich die ursprüng­lich bestehen­de und die abs­trak­te durch das Schuld­an­er­kennt­nis begrün­de­te For­de­rung der­sel­ben Fäl­lig­keits­ab­re­de unter­lie­gen sol­len (so Her­ling­haus, a.a.O., S. 129). Bei allen Erklä­rungs­ver­su­chen darf jedoch nicht außer Acht gelas­sen wer­den, dass sich die Bes­se­rungs­ab­re­den inhalt­lich unter­schei­den kön­nen und dass es im Ein­zel­fall dar­auf ankommt, wie die Abre­de aus­zu­le­gen ist (dazu bei­spiel­haft: Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 13. Juni 1984 IVa ZR 196/82, Neue Juris­ti­sche Wochen­schrift 1984, 2762).

3. Im Streit­fall ent­hält die Bes­se­rungs­ab­re­de zunächst einen “Erlass der For­de­rung gegen Bes­se­rungs­schein” und sodann ein Schuld­an­er­kennt­nis, das bei Ein­tritt der näher beschrie­be­nen Bes­se­rung die Ver­zin­sung ein­schließt. Aus­le­gungs­be­dürf­tig ist dabei allen­falls, ob und inwie­weit das Schuld­an­er­kennt­nis abs­trakt sein soll­te oder nur der Vor­stel­lung ent­sprang, eine erlas­se­ne For­de­rung kön­ne nicht wie­der auf­le­ben (vgl. dazu Staudinger/Rieble –2005 – , § 397 Rz 142). Letzt­lich kann dies jedoch eben­so dahin­ste­hen wie die kon­kre­te zivil­recht­li­che Ein­ord­nung der Bes­se­rungs­ab­re­den. Unter dem Gesichts­punkt der Steu­er­ent­ste­hung gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG ist ent­schei­dend, dass die schenk­wei­se erfolg­te Über­tra­gung der bei Ein­tritt der Bes­se­rung zu erfül­len­den For­de­rung unab­hän­gig davon, ob es sich um die gestun­de­te, um die wie­der auf­le­ben­de oder um die einem pac­tum de non peten­do unter­lie­gen­de ursprüng­li­che For­de­rung oder um eine –sei es auch durch abs­trak­tes Schuld­an­er­kennt­nis– neu begrün­de­te For­de­rung han­delt, erst mit Ein­tritt des Bes­se­rungs­falls aus­ge­führt ist.

a) Han­delt es sich bei der ein­ge­brach­ten und im Bes­se­rungs­fall zu erfül­len­den For­de­rung –der (wie­der auf­le­ben­den) ursprüng­li­chen und/oder einer neu begrün­de­ten– um eine auf­schie­bend beding­te For­de­rung, ist sie gemäß § 12 Abs. 1 ErbStG i.V.m. § 4 des Bewer­tungs­ge­set­zes (BewG) erst mit Ein­tritt der Bes­se­rung zu berück­sich­ti­gen. Dann erst sind die Schen­kun­gen zu Guns­ten der Klä­ge­rin­nen aus­ge­führt und ist gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG die jewei­li­ge Steu­er ent­stan­den (BFH-Urteil vom 21. Mai 2001 II R 48/99, BFH/NV 2001, 1407, unter II. 2. c).

b) Han­delt es sich dage­gen bei der ein­ge­brach­ten und bei Ein­tritt der Bes­se­rung zu erfül­len­den For­de­rung um die ursprüng­li­che und ledig­lich gestun­de­te For­de­rung, weist die Stun­dung ihrer­seits die Beson­der­heit auf, nicht bis zu einem fest­lie­gen­den Zeit­punkt ver­ein­bart zu sein, son­dern bis zum Ein­tritt der Bes­se­rung, und damit eines Ereig­nis­ses, hin­sicht­lich des­sen nicht nur unge­wiss ist, wann es ein­tritt, son­dern auch und vor allem, ob es über­haupt ein­tritt. Eine sol­cher­ma­ßen gestun­de­te For­de­rung ist erb­schaft­steu­er­recht­lich nicht als For­de­rung mit ledig­lich noch aus­ste­hen­der Fäl­lig­keit zu behan­deln, deren frei­ge­bi­ge Zuwen­dung bereits im Über­tra­gungs­zeit­punkt (zu dem abge­zins­ten Wert) aus­ge­führt ist, son­dern wie eine auf­schie­bend beding­te For­de­rung mit der oben zu II. 3. a) beschrie­be­nen Rechts­fol­ge. Dies gilt nicht nur gemäß § 9 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a ErbStG bei For­de­rungs­er­wer­ben von Todes wegen (vgl. dazu BFH-Urtei­le vom 27. August 2003 II R 58/01, BFHE 203, 279, BSt­Bl II 2003, 921, sowie vom 16. Janu­ar 2008 II R 30/06, BFHE 220, 518, BSt­Bl II 2008, 626, unter II. 2. c), son­dern auch bei For­de­rungs­schen­kun­gen unter Leben­den im Rah­men des § 9 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG.

Die eigen­stän­di­ge Rege­lung der Steu­er­ent­ste­hung bei Schen­kun­gen unter Leben­den in § 9 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG war allein des­halb erfor­der­lich, weil die Steu­er­ent­ste­hung anders als regel­mä­ßig beim Erwerb von Todes wegen nicht an den Tod des bis­he­ri­gen Ver­mö­gens­in­ha­bers anknüp­fen kann. Dar­aus folgt aber nicht, dass ihr die Bedeu­tung einer lex spe­cia­lis gegen­über § 9 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a ErbStG zukommt. Bei Schen­kun­gen kön­nen sich die­sel­ben Pro­blem­la­gen erge­ben, wie sie in § 9 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a ErbStG ange­spro­chen sind. Für die­se Pro­blem­la­gen ent­hält viel­mehr § 9 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a ErbStG die spe­zi­el­le­re Rege­lung gegen­über der Nr. 2 der Vor­schrift, die i.V.m. § 1 Abs. 2 ErbStG die­ser Nr. 2 vor­geht. Denn nach § 1 Abs. 2 ErbStG gel­ten die Vor­schrif­ten über die Erwer­be von Todes wegen, soweit nichts ande­res bestimmt ist, auch für Schen­kun­gen unter Leben­den. Es gäbe auch kei­nen sach­li­chen Grund, die Schen­kung sol­cher For­de­run­gen, die einer Bes­se­rungs­ab­re­de unter­lie­gen, anders zu besteu­ern als den Über­gang der­sel­ben For­de­rung im Erb­we­ge. Die­ses Geset­zes­ver­ständ­nis liegt im Übri­gen auch § 7 Abs. 1 Nr. 10 ErbStG zugrun­de, indem er Abfin­dun­gen für auf­schie­bend bedingt, betagt oder befris­tet erwor­be­ne Ansprü­che, die vor dem Zeit­punkt des Ein­tritts der Bedin­gung oder des Ereig­nis­ses gewährt wer­den, als Schen­kun­gen unter Leben­den behan­delt.

Wie sich aus § 12 Abs. 1 ErbStG i.V.m. § 12 Abs. 3 BewG ergibt, sind noch nicht fäl­li­ge For­de­run­gen nur dann sofort mit ihrem abge­zins­ten Wert anzu­set­zen, wenn die Fäl­lig­keit zu einem bestimm­ten (fest­ste­hen­den) Zeit­punkt ein­tritt. Anders sind jedoch die­je­ni­gen For­de­run­gen zu behan­deln, bei denen der Zeit­punkt des Ein­tritts des zur Fäl­lig­keit füh­ren­den Ereig­nis­ses unbe­stimmt ist. Hier ver­sagt § 12 Abs. 3 BewG, weil es an einem bestimm­ten Zeit­punkt für den Ein­tritt der Fäl­lig­keit fehlt und weil damit die Berech­nungs- oder Schät­zungs­grund­la­gen für eine Abzin­sung oder den Ansatz eines nied­ri­ge­ren Werts als des Nenn­werts (§ 12 Abs. 1 BewG) feh­len (so BFH-Urteil in BFHE 203, 279, BSt­Bl II 2003, 921, unter II. 1. c). Im Streit­fall wäre eine For­de­rung mit unbe­stimm­tem Fäl­lig­keits­zeit­punkt geschenkt, wenn in der Bes­se­rungs­ab­re­de eine Stun­dungs­ver­ein­ba­rung zu sehen wäre. Dar­über hin­aus wäre sogar der Ein­tritt der Fäl­lig­keit über­haupt unge­wiss.

c) Han­delt es sich bei der Bes­se­rungs­ab­re­de ledig­lich um ein auf­lö­send beding­tes pac­tum de non peten­do –also einen vor­über­ge­hen­den Ver­zicht auf die Gel­tend­ma­chung einer im Übri­gen erhal­ten blei­ben­den For­de­rung (Still­hal­te­ab­kom­men) – , muss die­ses Rechts­in­sti­tut man­gels aus­drück­li­cher Berück­sich­ti­gung im ErbStG oder BewG ent­we­der wie eine auf­schie­ben­de Bedin­gung oder wie eine Fäl­lig­keits­re­ge­lung behan­delt wer­den. Bei Annah­me einer Fäl­lig­keits­re­ge­lung schlü­ge wie­der­um durch, dass auch der Zeit­punkt des Ein­tritts der Fäl­lig­keit unbe­stimmt wäre. Dies hät­te auch hier zur Fol­ge, dass die Schen­kun­gen der For­de­rungs­an­tei­le erst mit Ein­tritt des Ereig­nis­ses aus­ge­führt wären.

d) Da das FA erst 2001 posi­ti­ve Kennt­nis vom Ein­tritt des Bes­se­rungs­falls erhielt, war bei Erge­hen der ange­foch­te­nen Steu­er­be­schei­de noch kei­ne Fest­set­zungs­ver­jäh­rung ein­ge­tre­ten (§ 170 Abs. 5 Nr. 2 AO).

Infor­ma­tio­nen:

  • Akten­zei­chen: II R 5707
  • Gericht/Herausgeber: BFH