Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 25 vom 12. April 2017

Ver­lust­aus­gleich bei abgel­tend besteu­er­ten nega­ti­ven Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen im Wege der Güns­ti­ger­prü­fung

Urteil vom 30.11.2016 VIII R 1114

Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat mit Urteil vom 30. Novem­ber 2016 VIII R 1114 ent­schie­den, dass nega­ti­ve Ein­künf­te aus sol­chem Kapi­tal­ver­mö­gen, das eigent­lich dem geson­der­ten Tarif des § 32d Abs. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes –EStG– (“Abgel­tungs­teu­er”) unter­liegt, mit posi­ti­ven Ein­künf­ten aus sol­chem Kapi­tal­ver­mö­gen, das nach dem pro­gres­si­ven Regel­ta­rif zu besteu­ern ist, ver­rech­net wer­den kön­nen. Hier­zu ist aller­dings erfor­der­lich, dass vom Steu­er­pflich­ti­gen die sog. Güns­ti­ger­prü­fung bean­tragt wird.

Nach Ein­füh­rung der Abgel­tungs­teu­er fal­len Kapi­tal­ein­künf­te grund­sätz­lich unter den geson­der­ten Steu­er­ta­rif in Höhe von 25 Pro­zent (§ 32d Abs. 1 EStG). Ver­lus­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen dür­fen nicht mit ande­ren Ein­kunfts­ar­ten aus­ge­gli­chen wer­den (§ 20 Abs. 6 EStG). Nach dem BFH-Urteil steht die­se Vor­schrift aber einer Ver­rech­nung nega­ti­ver Kapi­tal­ein­künf­te, die unter die Abgel­tungs­teu­er fal­len, mit sol­chen posi­ti­ven Kapi­tal­ein­künf­ten, die gemäß § 32d Abs. 2 EStG dem Regel­ta­rif des § 32a EStG unter­lie­gen, nicht ent­ge­gen. Vor­aus­set­zung ist jedoch, dass der Steu­er­pflich­ti­ge einen Antrag auf Güns­ti­ger­prü­fung (§ 32d Abs. 6 EStG) stellt. Die­ser hat zur Fol­ge, dass die der Abgel­tungs­teu­er unter­lie­gen­den nega­ti­ven Kapi­tal­ein­künf­te der tarif­li­chen Ein­kom­men­steu­er unter­wor­fen wer­den, so dass eine Ver­lust­ver­rech­nung mög­lich wird. Der Abzug des Spa­rer-Pausch­be­trags (§ 20 Abs. 9 EStG: 801 €) ist in die­sem Fall jedoch aus­ge­schlos­sen — denn bei regel­be­steu­er­ten Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen kön­nen nur die tat­säch­lich ange­fal­le­nen und nicht fik­ti­ve Wer­bungs­kos­ten in Höhe des Pausch­be­trags abge­zo­gen wer­den (§ 32d Abs. 2 Nr. 1 Satz 2 EStG).

Im Streit­fall hat­te der Klä­ger unter ande­rem Zin­sen aus einem pri­va­ten Dar­le­hen erzielt. Die­ses ord­ne­te das Finanz­amt (FA) als “Dar­le­hen zwi­schen nahe­ste­hen­den Per­so­nen” ein, so dass die Zin­sen nach dem pro­gres­si­ven Regel­ta­rif zu besteu­ern waren (§ 32d Abs. 2 Nr. 1 Buchst. a EStG). Dane­ben erziel­te der Klä­ger nega­ti­ve Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen, die dem geson­der­ten Steu­er­ta­rif gemäß § 32d Abs. 1 EStG unter­la­gen. Er bean­trag­te im Wege der Güns­ti­ger­prü­fung die Ver­rech­nung die­ser Kapi­tal­ein­künf­te. FA und Finanz­ge­richt (FG) lehn­ten die­se Ver­rech­nung ab.

Der BFH gab dem Klä­ger inso­weit Recht, als er eine Sal­die­rung der Kapi­tal­ein­künf­te auf­grund des Antrags auf Güns­ti­ger­prü­fung für zuläs­sig erach­te­te. Den von dem Klä­ger gel­tend gemach­ten Abzug des Spa­rer-Pausch­be­trags von den regel­be­steu­er­ten posi­ti­ven Ein­künf­ten aus Kapi­tal­ver­mö­gen lehn­te er jedoch ab. Da auf der Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen des FG frag­lich war, ob die abgel­tend zu besteu­ern­den nega­ti­ven Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen und die posi­ti­ven regel­be­steu­er­ten Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen dem Grun­de und der Höhe zutref­fend ermit­telt wur­den, hat der BFH den Streit­fall an das FG zurück­ver­wie­sen.

sie­he auch: Urteil des VIII. Senats vom 30.11.2016 — VIII R 1114 -

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