(Kiel) Der 5. Senat des Finanz­ge­richts Müns­ter hat in einem soeben ver­öf­fent­lich­ten Beschluss wich­ti­ge Grund­sät­ze zur Ver­sa­gung des Vor­steu­er­ab­zu­ges wegen eines betrü­ge­ri­schen Han­delns auf­ge­stellt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts Müns­ter (FG) vom 15.01.2014 zu sei­nem Beschluss vom 12. Dezem­ber 2013 (5 V 193413 U).

Er hat im Rah­men eines Ver­fah­rens des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes klar­ge­stellt, dass – abwei­chend vom all­ge­mei­nen Grund­satz – das Finanz­amt in die­sen Fäl­len regel­mä­ßig die objek­ti­ve Fest­stel­lungs­last für die eine Ver­sa­gung des Vor­steu­er­ab­zugs begrün­den­den Umstän­de tra­ge. Daher müs­se es kon­kre­te Anhalts­punk­te dar­le­gen, aus denen sich erge­be, dass der Unter­neh­mer von sei­ner Ein­be­zie­hung in einen Umsatz­steu­er­be­trug gewusst habe bzw. hät­te wis­sen kön­nen oder müs­sen. Ent­ge­gen der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­ho­fes sei der den Vor­steu­er­ab­zug begeh­ren­de Unter­neh­mer nicht ver­pflich­tet, einen ech­ten „Nega­tiv­be­weis“ dahin zu füh­ren, dass er kei­ne Anhalts­punk­te für etwai­ge Unge­reimt­hei­ten in Bezug auf den Leis­ten­den und/oder die Leis­tung hat­te. Dies gel­te auch in Bezug auf einen ver­meint­li­chen Schein­sitz des Lie­fe­rers.

Im Streit­fall hat­te die Antrag­stel­le­rin von einer GmbH, die sowohl eine Steu­er­num­mer als auch eine Umsatz­steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer besaß, aus Polen stam­men­de PKW erwor­ben. Die in den Rech­nun­gen der GmbH aus­ge­wie­se­ne Umsatz­steu­er mach­te die Antrag­stel­le­rin als Vor­steu­er gel­tend. Das Finanz­amt ver­sag­te den Vor­steu­er­ab­zug, weil es sich bei der GmbH um kein tat­säch­lich exis­tie­ren­des Unter­neh­men, son­dern um eine „Brief­kas­ten­fir­ma“ han­de­le. Den Antrag auf Aus­set­zung der Voll­zie­hung des strei­ti­gen Umsatz­steu­er­be­schei­des lehn­te das Finanz­amt ab. Der 5. Senat des Finanz­ge­richts setz­te nun­mehr die Voll­zie­hung des strei­ti­gen Beschei­des wegen ernst­li­cher Zwei­fel an der Recht­mä­ßig­keit der Ver­sa­gung des Vor­steu­er­ab­zu­ges aus.

Nach der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­ho­fes – so der Senat – sei zwar aner­kannt, dass ein Vor­steu­er­ab­zug zu ver­sa­gen sei, wenn auf­grund der objek­ti­ven Sach­la­ge fest­ste­he, dass die­ses Recht in betrü­ge­ri­scher Wei­se oder miss­bräuch­lich gel­tend gemacht wer­de. Dies sei der Fall, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge selbst eine Steu­er­hin­ter­zie­hung bege­he oder wuss­te oder hät­ten wis­sen müs­sen, dass er sich mit sei­nem Erwerb an einem Umsatz betei­li­ge, der in eine vom Lie­fe­rer began­ge­ne Steu­er­hin­ter­zie­hung ein­be­zo­gen wor­den sei. Aus­ge­schlos­sen sei jedoch, einen Steu­er­pflich­ti­gen, der weder wuss­te noch habe wis­sen kön­nen, dass der Lie­fe­rung betrü­ge­ri­sche Hand­lun­gen vor­aus­ge­gan­gen sei­en, durch die Ver­sa­gung des Vor­steu­er­ab­zu­ges mit einer Sank­ti­on zu bele­gen. Hier­aus fol­ge, dass der den Vor­steu­er­ab­zug begeh­ren­de Unter­neh­mer kei­nen ech­ten „Nega­tiv­be­weis“ zu feh­len­den Anhalts­punk­ten für etwai­ge Unge­reimt­hei­ten in Bezug auf den Leis­ten­den bzw. die Leis­tung füh­ren müs­se. Viel­mehr tra­ge dann das Finanz­amt und nicht der Steu­er­pflich­ti­ge die objek­ti­ve Dar­le­gungs­last für die eine Ver­sa­gung des Vor­steu­er­ab­zu­ges recht­fer­ti­gen­den Umstän­de.

Unter Wür­di­gung der Umstän­de des Streit­fal­les gelang­te der 5. Senat zu der Auf­fas­sung, dass sich für die Antrag­stel­le­rin hin­sicht­lich der GmbH kei­ne hin­rei­chen­den Anhalts­punk­te für das Bestehen von Unre­gel­mä­ßig­kei­ten oder eine Steu­er­hin­ter­zie­hung erge­ben hät­ten, auf­grund derer sie ver­pflich­tet gewe­sen wäre, wei­te­re Aus­künf­te ein­zu­ho­len. Eine Erkun­di­gungs­pflicht ins­be­son­de­re hin­sicht­lich des Sit­zes der GmbH hät­te die Antrag­stel­le­rin nur dann getrof­fen, wenn sich für sie im Vor­feld der Lie­fe­rung Zwei­fel hier­an hät­ten erge­ben müs­sen. Dies sei jedoch – nach der im Aus­set­zungs­ver­fah­ren gebo­te­nen sum­ma­ri­schen Prü­fung – nicht der Fall gewe­sen.

Der Senat hat – zur Fort­bil­dung des Rechts – die Beschwer­de zum Bun­des­fi­nanz­hof zuge­las­sen.
Dass es in den Fäl­len der Ver­sa­gung des Vor­steu­er­ab­zugs wegen eines betrü­ge­ri­schen Han­delns auf der Ebe­ne der Vor­lie­fe­ran­ten jeweils auf die kon­kre­ten Umstän­de des Ein­zel­falls ankommt, zeigt die Ent­schei­dung des 15. Sena­tes vom 16. Dezem­ber 2013 (15 V 368413 U).

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.
 

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Jörg Pas­sau
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