(Kiel) Der 5. Senat des Finanz­ge­richts Müns­ter hat soeben ent­schie­den, dass Auf­wen­dun­gen für ein nach dem Abitur auf­ge­nom­me­nes Erst­stu­di­um nicht als Wer­bungs­kos­ten, son­dern nur als Son­der­aus­ga­ben zu berück­sich­ti­gen sind. Etwas ande­res gilt nur, wenn das Erst­stu­di­um im Rah­men eines Dienst­ver­hält­nis­ses statt­fin­det.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Müns­ter vom 1.02.2012 zu sei­nem Urteil vom 20. Dezem­ber 2011 — 5 K 397509 F.

Damit ist der Abzug von Stu­di­en­kos­ten nicht nur der Höhe nach auf jähr­lich 4.000 EUR beschränkt. Da es im Bereich der Son­der­aus­ga­ben kei­nen sog. Ver­lust­vor­trag gibt, kön­nen Stu­den­ten, die wäh­rend der Aus­bil­dung nur wenig Geld ver­die­nen, die ange­fal­le­nen Stu­di­en­kos­ten auch nicht spä­ter, wenn sie höhe­re Ein­künf­te erzie­len, steu­er­lich nut­zen.

Der Klä­ger war im Streit­jahr 2007 Stu­dent und erziel­te ledig­lich gerin­ge Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit (ca. 1.600 EUR). Für einen Stu­di­en­auf­ent­halt im Aus­land hat­te er ver­schie­de­ne Kos­ten getra­gen, die er in sei­ner Steu­er­erklä­rung als (vor­weg­ge­nom­me­ne) Wer­bungs­kos­ten in Höhe von ca. 18.600 EUR gel­tend mach­te. Das Finanz­amt berück­sich­tig­te die Stu­di­en­kos­ten ledig­lich als Son­der­aus­ga­ben (§ 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG) in Höhe von 4.000 EUR. Außer­dem lehn­te es ab, einen Ver­lust­vor­trag in Höhe der wei­te­ren Auf­wen­dun­gen des Klä­gers für das Fol­ge­jahr fest­zu­stel­len. So konn­te der Klä­ger, der nach Abschluss des Stu­di­ums im Jahr 2008 als Assis­tent eines Ver­triebs­vor­stan­des arbei­te­te, die Auf­wen­dun­gen für das Stu­di­um auch 2008 steu­er­lich nicht nut­zen.

Der 5. Senat bestä­tig­te die Auf­fas­sung des Finanz­am­tes, so Pas­sau.

Zur Begrün­dung ver­wies er auf das am 14. Dezem­ber 2011 in Kraft getre­te­ne Gesetz zur Umset­zung der Bei­trei­bungs­richt­li­nie sowie zur Ände­rung steu­er­li­cher Vor­schrif­ten (Bei­trR­LUmsG) vom 7. Dezem­ber 2011. Hier­nach erge­be sich mit Wir­kung zum 1. Janu­ar 2004 aus­drück­lich, dass Auf­wen­dun­gen für die erst­ma­li­ge Berufs­aus­bil­dung oder ein Erst­stu­di­um kei­ne Wer­bungs­kos­ten dar­stell­ten, wenn die Berufs­aus­bil­dung bzw. das Stu­di­um nicht im Rah­men eines Dienst­ver­hält­nis­ses statt­fin­de (§ 12 Nr. 5 i.V.m. § 9 Abs. 6 EStG in der Fas­sung des Bei­trR­LUmsG).

Einen Ver­fas­sungs­ver­stoß sah der 5. Senat in der gesetz­li­chen Neu­re­ge­lung trotz der dar­in vor­ge­se­he­nen Rück­wir­kung zum 1. Janu­ar 2004 nicht. Die­se sog. ech­te Rück­wir­kung sei aus­nahms­wei­se zuläs­sig. Der Gesetz­ge­ber habe mit der Zuord­nung der Auf­wen­dun­gen zu den Son­der­aus­ga­ben ledig­lich die Rechts­la­ge rück­wir­kend fest­ge­schrie­ben, die bis zur Ände­rung der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung der ein­hel­li­gen Rechts­an­wen­dungs­pra­xis ent­spro­chen habe. Auch habe der Klä­ger kein schutz­wür­di­ges Ver­trau­en in die Abzugs­fä­hig­keit sei­ner Auf­wen­dun­gen als (vor­weg­ge­nom­me­ne) Wer­bungs­kos­ten bil­den kön­nen. Schutz­wür­di­ges Ver­trau­en in eine Rechts­la­ge auf­grund einer höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung ent­ste­he allen­falls dann, wenn es sich um eine gefes­tig­te, lang­jäh­ri­ge Recht­spre­chung han­de­le. Als eine sol­che gefes­tig­te, lang­jäh­ri­ge Recht­spre­chung sei die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­ho­fes anzu­se­hen, in der er die Kos­ten des Erst­stu­di­ums als Son­der­aus­ga­ben ange­se­hen habe, nicht hin­ge­gen die spä­te­re Fort­ent­wick­lung bzw. Ände­rung die­ser Recht­spre­chung zuguns­ten der Ein­ord­nung als Wer­bungs­kos­ten.

Die Neu­re­ge­lung ver­stößt nach Auf­fas­sung des 5. Sena­tes auch nicht gegen das objek­ti­ve oder sub­jek­ti­ve Net­to­prin­zip. Die Kos­ten für die Erst­aus­bil­dung sei­en gemischt und nicht zwangs­läu­fig allein beruf­lich ver­an­lasst. Ein unmit­tel­ba­rer Anknüp­fungs­punkt des Erst­stu­di­ums an eine spä­te­re beruf­li­che Tätig­keit feh­le regel­mä­ßig. Der Gesetz­ge­ber habe daher mit der Zuwei­sung die­ser Auf­wen­dun­gen zum Bereich der Son­der­aus­ga­ben eine in sei­nem Gestal­tungs­spiel­raum lie­gen­de Wer­tung vor­ge­nom­men.

Das Gericht hat die Revi­si­on zum Bun­des­fi­nanz­hof zuge­las­sen

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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