Pres­se­mit­tei­lung Nr. 12 vom 22. Febru­ar 2017

Kei­ne steu­er­li­che Begüns­ti­gung für von Trä­ger­ver­ei­nen betrie­be­ne Frei­bä­der

Urteil vom 9.11.2016 I R 5615

Betreibt eine städ­ti­sche Gesell­schaft ein ver­lust­brin­gen­des Frei­bad nicht selbst, son­dern ver­pach­tet sie es an einen Trä­ger­ver­ein, lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen für die steu­er­li­che Begüns­ti­gung dau­er­de­fi­zi­tä­rer Tätig­kei­ten der öffent­li­chen Hand nicht vor. Nach dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 9. Novem­ber 2016 I R 5616 sind Ver­pach­tungs­tä­tig­kei­ten nicht begüns­tigt

Fast alle grö­ße­ren Kom­mu­nen in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (Deutsch­land) unter­hal­ten Frei­bä­der und ent­spre­chen damit typi­scher­wei­se einer Erwar­tungs­hal­tung ihrer Bür­ger. Unter den kli­ma­ti­schen Bedin­gun­gen Mit­tel­eu­ro­pas rech­nen sich aller­dings Frei­bä­der für die Gemein­den betriebs­wirt­schaft­lich nicht, es sei denn die­se wür­den hohe Ein­tritts­prei­se ver­lan­gen. Das wie­der­um ist sozi­al­po­li­tisch aus Sicht vie­ler Men­schen nicht akzep­ta­bel. Folg­lich ist der Frei­bad­be­trieb in Deutsch­land regel­mä­ßig dau­er­de­fi­zi­tär und führt fort­lau­fend zu erheb­li­chen Ver­lus­ten für die Gemein­den. Der Gesetz­ge­ber begüns­tigt sol­che dau­er­de­fi­zi­tä­ren Tätig­kei­ten der Gemein­den aller­dings aus sozi­al­po­li­ti­schen Grün­den, indem er die Ver­lus­te steu­er­lich aner­kennt und damit ihre Ver­rech­nung mit Gewin­nen der Gemein­den aus ande­ren Tätig­kei­ten ermög­licht (vgl. § 8 Abs. 7 des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes). Hier­zu gehö­ren z.B. städ­ti­sche Gewin­ne aus Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men. Man spricht bei die­sem Ver­rech­nungs­mo­dell übli­cher­wei­se vom kom­mu­na­len Quer­ver­bund.

Der BFH hat mit sei­nem Urteil aner­kannt, dass auch der dau­er­de­fi­zi­tä­re Betrieb eines Frei­ba­des dem Grun­de nach steu­er­lich begüns­tigt ist. Er ent­nimmt den gesetz­li­chen Rege­lun­gen jedoch die kla­re Aus­sa­ge, dass die Begüns­ti­gung nur dann gewährt wird, wenn die Gemein­de ent­we­der mit einem eige­nen Betrieb (Betrieb gewerb­li­cher Art) die dau­er­de­fi­zi­tä­re Tätig­keit selbst aus­übt oder eine kom­mu­na­le Eigen­ge­sell­schaft (Kapi­tal­ge­sell­schaft, deren Antei­le sich in der Hand einer Kom­mu­ne befin­den) das Frei­bad selbst betreibt.

Im Streit­fall war hin­ge­gen die städ­ti­sche Eigen­ge­sell­schaft nicht selbst Betrei­be­rin des Frei­ba­des. Sie hat­te die­ses an einen im Ver­eins­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Trä­ger­ver­ein gegen Zusa­ge der Ver­lust­über­nah­me ver­pach­tet. Die­ses Ver­pach­tungs­mo­dell ist nicht steu­er­lich begüns­tigt. Mit die­ser Ent­schei­dung konn­te der BFH zugleich die umstrit­te­ne Rechts­fra­ge offen­las­sen, ob die gesetz­li­che Rege­lung der dau­er­de­fi­zi­tä­ren Tätig­kei­ten mit den uni­ons­recht­li­chen Bei­hil­fe­vor­schrif­ten zu ver­ein­ba­ren ist.

sie­he auch: Urteil des I. Senats vom 9.11.2016 — I R 5615 -

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